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67 (1964) / N.S. 18
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Mit solchen Andeutungen streute man nicht nur Haß unterdie Nachbarn, sondern dadurch, daß man das enorme Wirtschafts-gefälle, das zwischen den Wiedertäufern und den Andersgläubi-gen vorhanden sein mußte, unterstrich, regte man besonders diePhantasie des Volkes an, die wiederum in den Sagen zur Auswir-kung kam. Aber nicht nur deshalb ist der Inhalt dieser Schmäh-schriften an die Spitze der Betrachtung gestellt, sondern aus dembesonderen Grund, daß sie anscheinend erst den Höchstgestelltendes Reiches, den Kaiser selbst als gierigen Sucher habanischerSchätze auf den Plan gerufen haben. Gestartet wurde diese Ak-tion mit einem höchstpersönlichen Handschreiben des Kaisers anden bevollmächtigten kaiserlichen Gubernator in Mähren Kardi-nal Dietrichstein vom 22. März 1621, in dem er die Absendung desObersten Alexander Grafen Cigognia nach Mähren bekanntgab,der den Auftrag hatte, in Mähren eine große Summe Geldes zu-sammenzubringen. Daß es der Kaiser nur auf das Geld der Wie-dertäufer abgesehen hatte, ergab sich in der Folgezeit vonselbst 33). Ohne auf die komplizierten Suchaktionen mit Verhaf-tungen, Einkerkerungen, peinlichen Verhören nach verstecktenSchätzen, Abfangen der von der Slovakei kommenden Brüder,Grabungen nach verratenen Schätzen usw., alles natürlich unterdem Druck der sehr geheimen und höchstpersönlichen Hand-briefln des Kaisers an den Kardinal, die Hrubý sehr eingehendbeschreibt, einzugehen, wollen wir hier nur die Stelle des Ge-schichtsbuches der Wiedertäufer anführen, welche berichtet, mitwelchen Drohungen und Vorwänden der Kardinal den neuge-wählten Vorsteher Ruedolf Hirtzl nach einer fünfwöchigen Haftzwang, die ihm bekannten Schatzverstecke preiszugeben: So seiauch ihr Mt.( Majestät) glaubwürdig berichtet, daß wir einengrossen Schatz, auf 1 Million Gold, beisammen haben. Weiln dannder Ruedel als der Aelteste in eim kleinen Dörfl zur Neumühlwohne, dass es leichtlich geschehen könnte, dass er von den Re-bellen ergriffen, die durch Pein und Marter das Geld von ihmbrächten und solches Geld ihr röm. kaiserl. Mt. Feinden zur Stär-kung ihres Kriegs in die Hände kommen möchte, also begehreihr kaiserl. Mt. ein Mitwissen unseres Vermögens zu haben, unsaber dasselbe keinswegs zu entziehen, sonder nur aufzuheben undin ihr Gewahrsam zu nehmen, damit es gelehrtermassen ihr Mt.Feinden nit in die Händ kommen müsste. Und hat der Kardinalsamt den andern zwei Herren insonderheit dem Ruedolf ernst-lich zugesprochen und ihn hoch und teuer ermahnt, weiln er der

33) Fr. Hrubý, Die Wiedertäufer in Mähren,( Archiv für Refor-mationsgeschichte, Jg. XXX- XXII, Leipzig 1935, S. 83 ff.)

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