Jahrgang 
67 (1964) / N.S. 18
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Der 100. und der 200. Tagin Bauernkalender und Wetterregel

Von Robert Schindler

Alexis Yermoloff, der Verfasser des unübertroffenenBuches Der landwirtschaftliche Volkskalender"( Leipzig 1905),hat sich gewundert, daß die Russen dieselben Lostage haben wiedie Polen, die Deutschen, die Franzosen, Italiener usw., obzwarim griechisch- orthodoxen Kalender an diesen Tagen andere Hei-lige stehen als im römisch- katholischen, und die Tage danach ver-schieden genannt werden. Yermoloff hat nicht gefragt, warum ge-wisse Tage Lostage sind. Erst Eilert Pastor ist dieser Fragenachgegangen und hat in seinem Buch Deutsche Volksweisheitin Wetterregeln und Bauernsprüchen"( Berlin 1934) drei Gruppenvon Lostagen zu erklären vermocht.

Erstens sind es die natürlichen Monatsanfänge,welche dadurch entstanden, daß man vom alten Tage der Winter-Sonnenwende( 24. oder 25. Dezember) aus das Jahr in zwölf an-nähernd gleich lange Monate teilte. Eilert Pastor schuf für sie dastreffende Wort natürliche Monate". Dadurch kam man auf die24. oder 25. Tage unserer julianischen Monate", also auf den24./25. Jänner, 24./25. Februar, 24./25. März, 24./25. April usw. Allediese Tage haben in Ost und West, in Nord und Süd ihre Bauern-regeln und Bräuche sowie ihre oft seltsam anmutenden Zeichenin den bäuerlichen Holzkalendern. Später wurden manche dieserZeichen, die in den gedruckten Bauernkalendern den Heiligen indie Hand gelegt worden sind, zu Marterwerkzeugen umgedeutet.Zwischen den Russen( Bulgaren usw.) und den Westlern"( umeinen modernen Ausdruck zu gebrauchen, der den Vorzug derKürze hat) besteht allerdings der Unterschied, daß jene die ge-raden Tage( also die 24.) als Lostage nennen, diese jedoch meistdie 25. Tage 1).

Die zweite Gruppe von Lostagen entstand dadurch, daß vomTage der Winter- Sonnenwende aus fortlaufend 30 Tage

1) Warum die Russen die ungeraden Tage vermeiden, weiß ichnicht, doch vermute ich, daß sie ebenso wie die Chinesen die geradenZahlen für glücklich halten.

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