Gesangbuchdrucker und-verleger des 16. und 17. Jahrhunderts"; derSalzburger Wilhelm Keller über„ Das verurteilte Lied", worunter„ Stille Nacht zu verstehen ist; Rudolf Steglich bringt„ Zwei Bei-spiele Manierlichen Musizierens' aus der Stadtkirche und vom länd-lichen Tanzboden", bezugnehmend auf eine Aufzeichnung Ernst Hamzasaus dem niederösterreichischen Wechselgebiet; Ludwig Wismeyerschließlich vergleicht Wenn alle Brünnlein fließen und das Lied derGroßstadt 1963" und kommt zu wichtigen gegenwartskundlichen Schlüs-sen. Eine Bibliographie der im letzten Halbjahrhundert in Bosse- Verlagerschienenen Musikalien beschließt den kleinen Band.
Leopold SchmidtJohannes Künzig, Drei ungarndeutsche Märchen und eine„ Märchen- Ballade", herausgegeben von. Langspielplatte 25 cm Ø. Frei-burg im Breisgau, Institut für Ostdeutsche Volkskunde. DM 12.80
hat
Vor einigen Jahren hat Johannes Künzig den Versuch gemacht, ausdem reichen Schatz seiner Tonaufnahmen eine Volksliedsammlung derehemaligen Auslandsdeutschen zu gestalten, welche auf SchallplattenOriginalaufzeichnungen vermittelt: Ehe sie verklingen... Alte deutscheVolksweisen vom Böhmerwald bis zur Wolga. Freiburg, 1958( vgl. ÖZV,Bd. XIII/ 62,1959, S. 72 ff.). Diesem sehr erfolgreichen Versuch in derZwischenzeit ist eine zweite Auflage des Buches erschienenKünzig nunmehr eine Langspielplatte folgen lassen, die im wesentlichenals Sprechplatte Märchen bringt. Und zwar handelt es sich um dreiMärchen( Die Hollerblosn; Die Totebaner; Die vertauschte Gräfin)und eine Ballade( Das Teufelsroß?), die von den„ Blinden Madln“ ausGant im Schildgebirge, einer ehemals deutschen Siedlung in Ungarn,gesprochen und gesungen werden. Diese Überlieferungsträgerinnen hateinstmals Elli Zenker- Starzacher aufgefunden, ihr Märchen-gut aufgezeichnet, und teilweise veröffentlicht.„ Die Hollerblosn" bei-spielsweise kann man in ihrem Buch: Es war einmal... DeutscheMärchen aus dem Schildgebirge und dem Buchenwald. Wien 1956,S. 286 ff. nachlesen, oder jetzt zu der Schallplattenwiedergabe auch mit-lesen, was sehr instruktiv ist. Da es sich um Märchen mit eingelegtenSingversen handelt, ist die Schallplatte besonders wichtig. Soviel auchüber diese Gattung geschrieben wurde( vgl. die Zusammenstellung vonKarl M. Klier, Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes, Bd. 12,Wien 1963, S. 136 f.) so wenig ist davon außerhalb des engsten Kreisesder Märchenforschung bekanntgeworden. Die hier ebenfalls aufgenom-mene Ballade„ Das Teufelsroß gestaltet das Motiv der mit Hufeisenbeschlagenen Pfaffenkellnerin. Über das merkwürdige Motiv hat einst-mals Viktor von Geramb( Die verwunschene Pfarrerköchin:Blätter für Heimatkunde, Bd. 22, Graz 1948, S. 20 ff.) gearbeitet unddabei auf die weite Verbreitung der balladenartigen Lieder diesesMotivs hingewiesen.
Die von Künzig herausgebrachte Langspielplatte ist also sehr gutund wichtig, und darf wohl in keinem Institut unseres Faches fehlen.Man möchte sich fragen, ob nicht eine buchmäßige Ausgabe mehrererderartiger Platten mit Volkserzählungen möglich wäre, ein Gegenstückzu dem Liedwerk„ Ehe sie verklingen...", wobei dann vielleicht auchAufnahmen aus Österreich aufgenommen werden könnten, und im Texteine entsprechende Kommentierung zu erfolgen hätte.
Leopold Schmidt
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