Besondere Verehrung genießt bei den Menschen des Salza-tales, in Lassing und an der unteren Enns das Gnadenbild ausder Wildalpener Wallfahrtskirche. Es ist das Gemälde einesVesperbildes, das in den Hochaltar einbezogen wurde 12).Rupert Grießl stellt es uns zunächst vor, wie er es in eine kleineSchnitzarbeit eingefügt hat( Abb. 3). Das Marterl ist 17 cm hoch,mit der Fußplatte mißt es 19,5 cm. Diese Platte zeigt deutlicheSpuren eines weiteren Aufbaues vor dem Standbild. Vermutlichhandelte es sich um eine Miniatur- Betbank. Sämtliche Holzteilesind farbig gefaßt 13).
Weder Grotte noch Marterl tragen ein Signum des Schnitzers.Die Aussagen der Familie Heigl, die mit Rupert Grieẞl ver-wandtschaftlich verbunden ist, bürgen jedoch für die Richtigkeitder Zuschreibung.
Mit welcher Liebe und mit welchem künstlerischen Geschicksich Rupert Grießl in seinen Schnitzarbeiten der Darstellung ihmvertrauter Menschen und Ereignisse widmete, konnten wir schonaus den Schachfiguren ersehen. Ich möchte die Reihe gelungenerPorträtierungen um zwei weitere Gestalten vermehren. Da istzuerst Rupert Mahringer, der Dorfschmied von Wildalpen( Abb. 4). Er steht so vor uns, wie ihn Menschen, die ihn noch zuseinen Lebzeiten kannten, in Erinnerung haben: immer von Rufbeschmutzt, mit der großen und geröteten Nase, da er gerne einGlas über den Durst trank, mit seinem Wuschelhaar und mitLöchern in den Strümpfen! Schirm und Zylinder sind vomSchnitzer hinzugefügte Attribute. Die Gründe dafür sind unsnicht bekannt. Auch die Zeitung„ Wildalpener Kikeriki“ vom1. April 1902, die der Schmied in der rechten Hand hält, ist eineBeigabe, deren Absicht den Dorfgenossen gewiß vertraut war.Uns bietet die Zeitung die Möglichkeit, die Entstehung des Figür-chens auf das Jahr 1902 festzulegen. Der Buchstabe„ G“ am un-teren rechten Rand des Blattes soll wohl den Namen des Schöp-fers der Schnitzerei andeuten. Die Zeichnung auf dem Titelblattder Zeitung gibt im Hintergrund die Kirche von Wildalpen wie-der, im Vordergrund einen alten Brunnen. Den mittleren Haupt-teil möchte ich als ein Aquädukt der zweiten Wiener Hoch-quellen- Wasserleitung ansprechen, das rechts zu einem Stollen-eingang hinführt. Ab 1901 war durch dieses große Bauvorhaben
12) Gustav Gugitz, Österreichische Gnadenstätten in Kult undBrauch, Wien 1956. Bd. 4, S. 277.
13) Die Arbeit befindet sich im Besitze des Herrn Rudolf Heigl( Sohndes Balthasar Heigl aus Göstling), Förster in Rekawinkel. Ich dankeHerrn Rudolf Heigl für die Erlaubnis zu fotografieren.
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