umdrohten Leiter anzuklingen, wie sie aus der berühmten Schau dessinaitischen Mönches und Eremitenheiligen Johannes Klimakos(„ dervon der Leiter“; geb. vor 579, gest. um 649) in seinem Werke„ Klimaxtou paradeisou"( Migne PG 88, 623-1210) gefaßt hat. Das Bild dieserLeiter, auf der die Menschen( Mönche, Nonnen, Laien) steil aufwärtsin den geöffneten Himmel steigen möchten, dabei aber von Teufelnmit Spießen, Beilen, Haken bedroht heruntergerissen werden und soin den sehr drastisch dargestellten Höllenschlund des Drachenungeheuersstürzen, indes nur sehr wenige in Gottes wartende Vaterarme gelangen,begegnet in den Bildern des„ Hortus deliciarum" der Herrad von Lands-berg in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Vor allem schmückt es alsnahezu nie fehlendes Betrachtungsbild den Narthex oder die Außen-wand sehr vieler orthodoxer Kirchen in Ost- und Südosteuropa. Zuwiederholten Malen konnte ich mich vor solchen Fresken( Athos,Meteora, Makedonien, Serbien usw.), zuletzt im September 1963 zuMorača in Montenegro( Außenwandfreske, Parallelisierung des Himmels-weges von Engeln und Mönchen durch je ein Bild der„ Jacobsleiter"und der Leiter des Johannes Klimakos), in Sveti Jovan Bigorski inWestmakedonien und in den Athosklöstern Hilandar, Xeropotamou undGrigoriou von der erstaunlichen Lebendigkeit des Zusammenhangeszwischen Bild und mündlicher Ausdeutung der an sich schon volks-tümlichen Konzeption jenes Johannes Klimakos überzeugen. Dies abernur nebenbei.
Leopold Schmidts neuestes Werk in der unglaublich reichen Fülleseiner Studien wird jeden, dem kulturhistorische Volkskunde ein An-liegen ist, auch in der Anwendung seiner Methoden reich beschenken,wenn er bereit ist, ungewöhnliche, aber umso aussichtsreicher sich er-weisende Wege mitzugehen.Leopold Kretzenbacher
Werner
Danckert, Unehrliche Leute. Die verfemten Berufe.294 Seiten. Bern 1963, Francke Verlag. DM 24,50
Es gibt auch in der Wissenschaft so etwas wie„ Wiedergänger“.Man konnte in unseren Jahren im allgemeinen annehmen, daß diemehr oder minder mystische Interpretation vieler Glaubens- und Brauch-erscheinungen nach den großzügig zusammenhängend dargestelltenPhänomenen von Tod, Fruchtbarkeit und Ekstase, eine Besonderheitder späten Dreißigerjahre, im wesentlichen überwunden sei. Seit einigerZeit machen sich aber ,, Wiedergänger" bemerkbar: Ab und zu bekundenMitarbeiter, Anhänger, Schüler usw. der alten„ Männerbundschulen",daß auch dieses Gedankengut noch lebt. Kaum verändert, meist mitdem alten Kenntnisstand, ohne Einsicht in die Forschungen unsererZeit, in der vor allem die Historisierung der Volkskunde doch einewohltuende Sachlichkeit mit sich gebracht hat.
Zu diesen Wiedergängern“ muß man auch das vorliegende Buchzählen, von dem man ohne Kenntnisnahme der Jahrzahl sicherlichmeinen würde, es sei in der Blütezeit dieser Richtungen und gleichzeitigmit den Büchern von Höfler, Stumpfl, Siemsen usw. erschienen. Seineganze Tendenz würde doch darauf hinweisen: Danckert, den wirübrigens aus früheren Veröffentlichungen als Volksliedforscher kennen,versucht ganz wie seine Vorbilder die Außenseiter der mittelalterlichenGesellschaft von den Henkern bis zu den Spielleuten deshalb als„ un-ehrlich zu erklären, weil an ihnen Züge vorchristlicher Tabuierung,germanisch- magischer Wertschätzung usw. gehaftet hätten. Ursprünglichseien sie, diese verfemten Abdecker, Prostituierten, Müller, Leineweber,
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