Jahrgang 
66 (1963) / N.S. 17
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Dann landschaftlich: Knaipp stellt Schlesien als Landschaft des frühestenhüttengewerblichen Hinterglasbildes in den Vordergrund und kommt anden verschiedensten Stellen auf dessen angebliche Vorzugstellung zurück.Aber das Gebiet des Bayerischen Waldes ist sogar nach seiner eigenenZeittafel mindestens ebenso früh dran.

Neben solchen Haupteinwänden wären verschiedene kleinere Beden-ken anzumelden. Sie richten sich fast nicht gegen den Textteil, wohlaber gegen die Bildbeschriftungen, mit denen Knaipp teilweise auf Ge-biete ausgreift, für die er nicht Spezialist ist. Die Bilder werden jeweilsauf einer Textseite oben katalogmäßig dargetan, am Fuß der Seite untenfolgt dann noch eine etwas allgemeinere Erläuterung. Während die An-gaben oben wohl meistens zutreffen, scheinen die unten oft merkwürdiggetönt. So scheint mir die Interpretation des Bildes 9( Jesuskind auf demKreuz) doch sehr irreführend, man wird schon den einleitenden Satz Die Szene spielt auf dem Gipfel des Weltenberges mit Mißtrauen lesen.Knaipp hat für diese Interpretationen offenbar viel Spieß und Strzygowskigelesen und ist dadurch etwas einseitig geworden. Der Weltenberg" kehrtin den verschiedensten Zusammenhängen wieder, besonders eigenartig beider Darstellung der Armen Seelen im Fegefeuer zu Füßen des Kreuzes,Abb. 14. In allen diesen Fällen wäre eine etwas weniger phantasievolleikonographische Interpretation eher am Platz gewesen. Daran denktman sicherlich bei der Erläuterung von Abb. 11, einer Pieta vor einemBaumstamm, zu der es heißt( S. 66): Maria trägt den Christusknabenauf ihrem Schoß auf der Flucht nach Ägypten vor dem Baum des Lebens.Und vor dem Baum des Lebens hält sie den toten Sohn- Erlöser in ihrenArmen, während die konventionelle Darstellung die Szene vor dem Fußdes Kreuzes zeigt". Das ist, mit Verlaub, mythologischer Feuilletonismus,der gerade in einer Bilderläuterung zu vermeiden gewesen wäre. DasBild zeigt selbstverständlich die Pieta von Maria- Taferl, die eben alsGnadenbild vor dem Auffindungsbaum steht, eine durchaus auf derörtlichen Wallfahrts- Ikonographie beruhende Darstellung. Merkwürdiger-weise will Knaipp( S. 19) vom Einfluß der Wallfahrten auf das Hinter-glasbild nicht sehr viel wissen. Nun, man sieht, eine stärkere Heran-ziehung der handfesten Sachkenntnisse der Wallfahrts- Ikonographiewären hier durchaus berechtigt. Auch in anderen Fällen, wie mir scheint.Nur ein Blick noch hinüber zu den Ost- Beziehungen, den gelegentlichenAusgriffen auf kultische und ikonographische Eigenheiten der Ostkirche.Da mangeln offenbar Griechisch- Kenntnisse. S. 9 müßte es Eleousa" statt Eleusa heißen, S. 105 Galaktotrophousa statt Galaktophusa". Undmit der Erläuterung des Namens des hl. Charalambos S. 109 betritt derVerfasser offenbar und unnötigerweise überhaupt ihm fremdes Gebiet.Er glaubt, daß der Name, den er Karalampios" transkribiert, halb ausdem Türkischen( kara- schwarz), halb aus dem Griechischen( lampios=Licht) komme und als Der über das Dunkel Leuchtende" heiße, mit derSchlußfolgerung Es dürfte sich um eine schwarzmeerländische Licht-gottheit im Gewande eines ostkirchlichen Heiligen handeln." Wozu dasalles? Charalambos ist ein gut griechischer Name, sein Träger ein in derOstkirche wohlbekannter, vielverehrter Heiliger; Knaipp hätte sich beiKriss( Peregrinatio neohellenika, Wien 1955, S. 107, 182) sowie Krissund Kriss( Volksglaube im Bereich des Islam, Bd. I, Wiesbaden 1960,S. 295) darüber informieren können.

Vielleicht könnte Knaipp vor der Fertigstellung seines großen Werkessich auf den ihm bisher ferner liegenden Gebieten noch genauer infor-

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