nern mag, wie doch die josefinische Aufklärung mit der Verminderungdieser Dinge nicht so ganz im Unrecht gewesen sein könne.
Von dieser wie von mancher anderen Seite her betrachtet steckt dasBuch voll von Problemen. Das in der Gegenreformation nochmals be-lebte Mittelalter, mit seinen stark romanischen Einschlägen, ist eseigentlich wirklich volkstümlich gewesen? Hat es nicht doch sehr starkan den Nerven der durch Krieg, Pest, Türken- und Schwedennöte be-lasteten alpenländischen Bevölkerung gezerrt, statt ihm zu helfen, hates nicht wesentlich zu der Vertreibung der Protestanten aus diesenTälern auch Innerösterreichs beigetragen, und somit alle Nöte undSchrecknisse unserer Zeit der Vertriebenen und Flüchtlinge schon vor-weggenommen? Gewiß, all dies enthebt uns nicht der Pflicht, seine Reste,seine Bildzeugnisse, kurz sein ganzes Weiterleben fachlich zu erhebenund in den entsprechenden Zusammenhängen auch zur Darstellung zubringen. Kretzenbacher hat viele dieser Einwände in seinem Vorwortgelten lassen und sich den„ romantischen Realismus" des österreichischenWanderers mehr als bewahrt. Man wird also das Buch vielseitig, viel-schichtig lesen können, und sicherlich auch mehrfachen Gewinn darausschöpfen.Leopold Schmidt
Friedrich Knaipp. Hinterglasbilder aus Bauern- und Bergmanns-stuben des 18. und 19. Jahrhunderts. 112 Seiten. mit 33 Farbtafeln und16 Vorlagen( auf dem Vorsatzpapier). Linz 1963, Verlag J. Wimmer.
Dem Umfang und der Ausstattung nach möchte man vielleicht zu-nächst das vorliegende Büchlein für ein Gegenstück des 1961 erschie-nenen Bändchens„ Kunterbunter Bauernhimmel“ von Claus Hansmann,( mit Einführung von Gislind Ritz) halten. Aber es hebt sich von diesemdoch schon wohltuend durch den sachlichen Titel ab, und wer die For-schung auf dem Gebiet kennt, weiß zudem, dafi Knaipp nicht einenmehr oder minder belanglosen Text zu Farbbildern schreibt, sondernsich hier wie immer bemüht, Ergebnisse seiner langen und intensivenForschung zu bieten.
alle
Das Bändchen, als Vorreiter eines umfangreichen Werkes über dengleichen Gegenstand gedacht, versucht auf knappem Raum alle wichtigenProbleme der Hinterglasgeschichte im deutschsprachigen Raum etwa ab1700 darzustellen. Zunächst führt Knaipp in die Welt des spätbarockenKunsthandwerks, vor allem der Glasmacher- und Glasmalerkünste ein.Die Ansiedlung der Glasmaler im Glashüttenbetrieb wird wirtschaftlichbegründet, die landschaftsgebundenen Grundlagen, wie wir sie vor allemseit Josef Blau kennen, herausgearbeitet. Dann folgt das KapitelAbschnitte sind durch mehrsätzige Inhaltsangaben vorweg erläutertüber die bekannten und oft gestellten Fragen, ob das Hinterglasbildvon Einzelnen oder von Gemeinschaften gemalt wurde, ob es eigent-lich ein„ Bauernbild" sei, wieviel an seinem Stil als„ Auffassung", als„ Kunstwollen", als„ Abstraktion“ anzusehen sei, oder ob nicht Tradition,funktionelle Abschleifung usw. ihren Anteil daran hätten. Man sieht, esgeht nicht zuletzt wieder einmal um die weitgehende Ablehnung allesdessen, was einst Max Picard für die Hinterglasmalerei als„ ex-pressionistische Bauernmalerei" plädieren lief. Auch in den anderenKapiteln stehen so manche kurze Polemiken gegen die in Laienkreisen.nicht zuletzt in Künstler- und Kunsthandelskreisen kursierenden Schlag-worte, die durchwegs abgelehnt werden. Im dritten Kapitel wird kurzdie Geschichte der Hinterglasmalerei seit der Antike skizziert, dasWachstum des malerhandwerklichen Hinterglasbildes, einschließlich der
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