zirken Transdanubiens der Dekorationsstil der unmittelbarenNachbarschaft seine Fortsetzung fand.
Die Sammlungen der österreichischen Museen lassen indes-sen auch vermuten, daß während in den früheren Jahrhundertender Neuzeit infolge der durch die türkische Besetzung geschaf-fene Isolierung Einflüsse aus Österreich das ungarische Bauern-tum nur über die herrschende Klasse bzw. über das Bürgertumerreichten, später auch die ungarischen Handwerker, die aus-schließlich für Bauern arbeiteten, vermöge ihrer ausländischenBeziehungen, eine Vermittlerrolle spielten. Nach den in unga-rischen Museen verwahrten Stücken zu schließen, wünschte dieüberwiegende Mehrheit der ungarischen Bauern auch weiterhindie Stücke in altertümlichem Geschmack und die für dieseSchicht arbeitenden Tischlermeister hielten sich an den überlie-ferten Dekorationsstil, den sie weiter ausgestalteten und berei-cherten. Zu gleicher Zeit wurde indessen in den westlichen Tei-len des Landes auch der neue Geschmack heimisch, es findensich hier Stücke, die schon direkt mit österreichischen Bauern-möbeln vergleichbar sind, in erster Linie bezieht sich das auf einneu hinzugekommenes Möbel, den zweitürigen„ Gewandkasten"( Abb. 3), der die Kleidertruhe verdrängte. Hier sei bemerkt, daßdie eintürigen Kleiderkasten eben wegen der früheren Isolierungnicht in die ungarischen Bauernhäuser gelangten. Doch auch diezweitürigen Kasten verbreiteten sich nur langsam, sie bürgertensich bei den Ungarn meistens nur in der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts ein und waren fast ausschließlich mit gemaltenBlumenmustern verziert, doch ehe sie die Donaulinie erreichten,wurden sie schon von dem mit Abziehbildern geschmückten odereher noch von den einfarbig gestrichenen Kästen abgelöst. Beiden mit Blumenmustern bemalten Kästen findet man schon vielmehr kaum verändert übernommene Elemente, besonders die im18. Jahrhundert angesiedelten Deutschen waren in manchenihrer Dörfer für die neu hinzugekommenen Einflüsse aufge-schlossen.( Abb.4.)
Die Erfahrungen, die ich auf der österreichischen Studien-reise gewann, ließen sich noch weiter aufzählen, aber vielleichtgenügen auch diese wenigen herausgegriffenen Beispiele, um zuzeigen, wie produktiv und anregend die Reise war. Sie ist aberauch ein Beweis dafür, wie nützlich es wäre, die persönlichenBeziehungen zwischen österreichischen und ungarischen Ethno-graphen auszubauen; denn obwohl sich die Veröffentlichungenvermehrt haben, können sie die persönliche Erfahrung und denGedankenaustausch mit den Kollegen nicht ersetzen.
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