Jahrgang 
66 (1963) / N.S. 17
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die sich im Spätmittelalter auch in Ungarn verbreitet hatte, bei.Eine Änderung trat nur insofern ein, als aus der früheren Stube-Küche- Kammer- Einteilung, Feierstube, Küche und Hinterstubegeworden ist. Zu der Vorstellung von einer Stube gehörte aufGrund jahrhundertealter Tradition das Bett so sehr dazu, daßzur Zeit, als man die Feierstuben einzurichten begann, man auchin diesen Betten aufstellte und sie nach Maßstab des zunehmen-den Wohlstandes mit bestickten oder buntgewebten Kissen,Federbetten, Laken immer höher, schließlich bis zur Decke belud.Im Verein mit den von den Stangen über den Betten üppigherabhängenden reichverzierten Tüchern, eignete sich das Bett-zeug vorzüglich dazu, den Wohlstand zur Schau zu stellen. DieBedeutung der Textilien als Feiertagsanzeiger, nämlich, daß sieden kirchlichen Feiertagen und Familienfesten entsprechend ge-wechselt wurden, trat allmählich auch in den von Ungarn be-wohnten Gegenden stark zurück. Der Schmuck der Feierstubenwurde beständig, erstarrte und behielt nur in einzelnen Land-schaften die frühere Wandelbarkeit bei. Die dominierende Rolleder Textilien blieb auf jeden Fall erhalten, wodurch dem deko-rativen Wert der Möbel bis in die neueste Zeit eine untergeord-nete Bedeutung zukam. Damit dürfte zu erklären sein, daß in denungarischen Sammlungen die im Westen, so auch in Österreichbekannten reich gestalteten Möbelstücke großen Ausmaßes fehl-ten, obgleich der Umstand, daß das Holz spärlich vorhanden unddarum teuer war, nur im Tiefland ein Hindernis bilden konnte.

All das bezieht sich in erster Linie darauf, was dem Frem-den zu allererst auffällt: auf die völlig abweichenden Züge. Aberauch die verwandten Zeichen weisen auffallende Unterschiedeauf. Der westliche Geschmack drang, wie bekannt, über die ofterwähnte Wasserstraße der Donau nach Ungarn ein. Was ich inÖsterreich sah, überzeugte mich indessen eindeutig davon, daßder fremde Einfluß überwiegend die Wohnungskultur der herr-schenden Klasse und des Bürgertums in Ungarn berührte, dieBauern erreichte er nur indirekt und allmählich über die höhe-ren Schichten und in einer bereits ziemlich abgeänderten Form.Österreichische und ungarische Stücke gleichen Charakters wei-sen wesentliche Abweichungen auf und sind ein Beweis dafür,wie stark der lokale Geschmack in Ungarn die vom Westen er-haltenen Vorbilder ummodelte. Deshalb haben die strukturell imgroßen und ganzen gleichen Möbeltypen diesseits und jenseitsder einstigen ungarischen Grenze ein so stark abweichendes Ge-präge.

Um das vor Augen zu führen lohnt es sich, beispielsweiseLehnstühle mit zusammengesetzter Rückenlehne von hier und

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