fältig durchgearbeiteten kleinen Handbücherei kam Zoders Wesen amstärksten zum Ausdruck. Dort verstand man seine Vorliebe für JeanPaul, den er wie Goethe und einige wenige andere Klassiker immer wie-der las. Als er mir 1948 ein Exemplar seiner„ Arbeit auf Kriegsdauer",den während des zweiten Weltkrieges geschaffenen General- Index derZeitschrift„ Das deutsche Volkslied" widmete, lag selbstverständlich einWidmungszettel mit einem Zitat aus der„ Levana von Jean Paul überdie Lexikonmacher" drin. 5)
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Der Einschnitt des Jahres 1938 hat in Zoders Leben und Denkeneine große Rolle gespielt. Er hatte ein Menschenalter für die Volkskul-tur gearbeitet, theoretisch und praktisch, als Sammler und Forscher wieals erster Lehrer des Volkstanzes in Wien, als Anreger_einer ganzengroßen Bewegung. 1938 schob man ihn, der seit 1931 schon Pensionist warund alles freiwillig und unbezahlt machte, aus rein familiären Gründenin den Hintergrund, nahm ihm das Volksliedarchiv und alle öffentlicheWirksamkeit. Darüber kam er in den folgenden sieben Jahren nur sehrschwer hinweg, wurde ein ängstlicher Einsiedler, der sich nur durch denallmählich doch wachsenden Zuspruch der alten Freunde einigermaßenermutigen ließ. Die Arbeit an jenem„ General- Index" hat ihm sicherlichviel geholfen. 1945 erwachte sein Selbstbewußtsein wieder, er versuchtemit Eifer und Geschick die alte Zeitschrift„ Das deutsche Volkslied", dieer lange Jahre geleitet hatte, als„ Volkslied- Volkstanz- Volksmusik" nocheinmal erstehen zu lassen, und widmete sich vor allem der Neugestal-tung des Österreichischen Volkslied- Unternehmens, das nur auf sein be-harrliches Drängen Staatssekretär Dr. Karl Lugmayer, längst sein per-sönlicher Freund, als„ Österreichisches Volksliedwerk" neu konstituie-ren konnte. Der Wiederaufbau des Vereines für Volkskunde ist ihmebenfalls weitgehend zu verdanken, da er die Überleitungsarbeiten vonHofrat DDr. Richard Kurt Donin durch sein sachlich gewichtiges Wortunterstützen konnte.
Erfreulicherweise hat Zoder also zwischen 1945 und 1955 noch wich-tige Früchte seiner Arbeit reifen sehen. Die Erneuerung des Volkslied-archives für Wien und Niederösterreich begleitete er noch mit freudi-gem Erstaunen. Dann ließ die Kraft zur eigenen Arbeit nach. Allmählichließ ihn die Krankheit in Untätigkeit, ja Unbeweglichkeit versinken. DerTod hat ihn schließlich geradezu erlöst. Sein Lebenswerk aber stellt ihnfür immer in die Reihen der Größten unseres Faches, die Sammlung undErforschung des Volksliedes, des Volkstanzes und der Volksmusik inÖsterreich werden seinen Namen nie vergessen.
Leopold Schmidt
5) General- Index der Zeitschrift das deutsche Volkslied. 1.- 46. Jahr-gang, 1899-1944. Zusammengestellt von Raimund Zoder.( Zugleich47. Jahrgang der Zeitschrift). Wien 1947.
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