Jahrgang 
66 (1963) / N.S. 17
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nicht. Virchow war liberal gesinnt, ein Mitbegründer der Fort-schrittspartei und bekannt als Gegner von Bismarcks Politik. Esist kennzeichnend genug, daß nur die verwitwete Kaiserin Fried-rich,( vgl. Zeitschrift d. V. f. Vk. 24, 1914, S. 343, Abs. 2 mitte; hiermehr unter diesem Namen bekannt; dort vielleicht anders) eben-falls liberal gesinnt, für einen Besuch des Museums gewonnenwerden konnte.

Haberlandt hat damals die ungünstigen Berliner Verhältnissekennengelernt, vor allem die Zersplitterung der Kräfte in denaufstrebenden Verein für Volkskunde mit seiner Zeitschrift aufder einen Seite und das etwas in der Luft hängende Museum mitdem gerade erst entstehenden Museumsverein auf der anderenSeite. Er hat die Folgerungen daraus gezogen. Zusammen mitWilhelm Hein gründete er zuerst den Verein( 1894), der sowohleine Zeitschrift( seit 1895) als auch das Museum( eröffnet 1897)finanzierte. Das Museum stand also nicht wie in Berlin am An-fang, sondern am Schluß, und seine Existenz war von vornhereinwesentlich gesicherter. Hatten die beiden Berliner Vereine etwa200 bzw. 130 bis 150 Mitglieder, so zählte der Wiener Verein baldüber 1000. Es dauerte auch nicht lange, so waren Aristokratie undKaiserhaus als Gönner des Museums gewonnen.

An Gegenständen aus Österreich waren bei Haberlandts Be-such in Berlin nur die Arbeitstracht einer Tiroler Sennerin undeinige Trachtenstücke vorhanden. Doch boten die übrigen Be-stände, die beiden Bauernstuben und das Schwarzwälder Bauern-hausmodell Anregungen für die allererste Sammeltätigkeit. Wahr-scheinlich wurde von den beiden Wienern auch Jahns Sammel-kanon zu Rate gezogen. Deshalb wohl das zögernde Herantastenan Andachtsbilder und Krippen( Schmidt S. 37); beide Stichwortefehlten bei Jahn.

Während das Berliner Museum fast ausschließlich auf Schen-kungen und Stiftungen angewiesen war und Angebote immer wie-der ablehnen mußte, waren in Wien durch laufende Beihilfenverschiedener Stellen die finanziellen Voraussetzungen für einsystematisches Sammeln weit mehr gegeben. Bereits 1898 hattedas Wiener Museum mit 11.000 Nummern die Berliner Beständean Zahl überflügelt. Und was in Berlin nicht gelingen wollte: dreiJahre nach der Eröffnung wurde dem Museum in Wien auch einregelmäßiger Staatszuschuß bewilligt. Dieses geschickte und ziel-bewußte Vorgehen wird in seiner Bedeutung erst dann ganz ver-ständlich, wenn man es auf dem Hintergrund der Berliner Ver-hältnisse betrachtet.

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