Bereits in seinem Verzeichnis von 1889 hatte Jahn Maskenund„ Perchtelmasken" aufgeführt. Von den fast 70 Stücken, dieer jetzt zusammenbrachte, stammten mindestens 15 aus Parten-kirchen, Krün, Mittenwald und Loipl bei Berchtesgaden und min-destens sieben aus Zürich, Lachen und dem Kanton Schwyz. Wahr-scheinlich veranlaßten ihn die beiden Teufelsmasken des Inns-brucker Museums, die 1892 auf der Internationalen Musik- undTheaterausstellung in Wien gezeigt wurden( Schmidt S. 30) undangeblich aus dem Ötztal und aus Sterzing herrührten, auch hiernach Masken zu forschen. Nahe dem Ötztal sammelte er sie inImst( 13), Guggelgrün( 7), Grins( 1) und Kaplen( 1). Von weiteren14 angeblich Tiroler Masken ist keine genaue Herkunft bekannt;wie die meisten anderen sind sie heute verschollen. In Sterzingwird er allerdings ebenso wie ein Jahr später WilhelmHein")- keinen Erfolg gehabt haben, aber hier hat er gotischeMöbel erworben. Aus Meran holte er die Tracht eines Weinberg-hüters, vom Schnalsertal Trachten eines Bauern und einerBäuerin, verschiedene Gürtel usw.
Die wertvolle Ausstellung wurde 1894 dem Berliner Museumüberwiesen; sie wurde im Erdgeschoß rechts und im Hofgebäudeaufgestellt. Um diese Zeit ist es zu einem Bruch zwischen Jahnund dem Museum gekommen. Die tieferen Gründe lassen sich nurvermuten; bekannt sind die Folgen vom Standpunkt des Museumsaus gesehen 8).
Als Michael Haberlandt 1893 in Berlin weilte( SchmidtS. 32), war es Virchow gerade gelungen, dem Preußischen Kultus-ministerium die laufenden Schulden des Museums aufzubürden.Aber die Gewißheit, daß eine weitere staatliche Hilfe nicht zuerwarten sei, zwang ihn, endlich einen tragfähigen Museumsvereinfür 1894 ins Leben zu rufen. Erst jetzt war ein ausgeglichenerEtat ohne dauernde Vorschüsse des jeweiligen Schatzmeistersmöglich. Überschüsse wurden vorsorglich in Staatspapieren ange-legt, Ankäufe auch in den nächsten Jahren nicht getätigt. Zu den15 immerwährenden und 106 ordentlichen Mitgliedern gehörtenWissenschaftler, Künstler, Industrielle, Kaufleute und Bankiers.Aber nur wenige Angehörige der Aristokratie konnten interes-siert werden; die Fürstenfamilien und das Kaiserhaus überhaupt7) Wilhelm Hein, Tänze und Volksschauspiele in Tirol und Salz-burg, MAnthrW 24, 1894, S.( 45) f.]
8) Höft S. 100.- Jahn war Mitglied des Museums- ,, Vereins“ bis1893, der Berliner anthropologischen Gesellschaft dagegen bis 1897. Vgl.auch die Nachrufe von Weinhold( ZfVk 10, 1900, S. 216-219) undHein( MAnthrW 30, 1900, S. 64). Gedenkartikel von Ulrich Bentzienin: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde 6, Berlin 1960, S. 419–422.
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