Plan gescheitert 5). So entstand im November 1890 der selbstän-dige„ Verein für Volkskunde" mit Weinhold als Vorsitzendem,Jahn als Schriftführer und Meyer Cohn als Schatzmeister. FürVirchow ein schwerer Schlag, denn das Museums- Komiteeschrumpfte zunächst auf zehn Mitglieder zusammen. Er gründetezwar einen Museumsverein mit Statuten vom Januar 1891, abernur pro forma. In Wirklichkeit bestand dieser„ Verein“ nur ausden Komitee- Mitgliedern, deren Zahl sich bis 1893 wieder auf 20erhöhte. Virchow und Albert Voß haben vielmehr energisch denZusammenschluß des Museums mit der prähistorischen Abteilungdes Völkerkunde- Museums zu einem„ Deutschen Nationalmuseumfür Altertümer und Volkskunde" betrieben, wofür sie zuerst imFebruar 1891 einen Neubau beantragten. Aber gerade damalsschied der Kultusminister v. Gossler aus. Nur einen Zuschuß derStadt Berlin für 1891 und 1892 konnte Virchow für sein Trachten-museum erreichen. Laufend mußten Vorschüsse des freigebigenSchönlank die notwendigsten Ausgaben bestreiten.
Den sammelfreudigen Jahn hielt es nicht lange unter denFittichen Weinholds; nur für ein Jahr ist er Schriftführer desVereins für Volkskunde gewesen. An den Wochenenden( vermut-lich 1890) fuhr er nach Altona, um dort das Museum einzurichten.Und 1891, als auf der Jubiläums- Ausstellung in Prag ein nordost-böhmisches Bauernhaus mit seiner Einrichtung gezeigt wurde,baute er mit Meyer Cohns finanzieller Unterstützung auf derLondoner German Exhibition ein nordfriesisches Bauernhaus mitden von ihm gesammelten Gegenständen aus Schleswig- Holsteinauf, die er dann dem Berliner Museum überwies. Anschließendbrachte Jahn für die Weltausstellung in Chicago( 1893) eine große„ Deutsch- Ethnographische Ausstellung“ zusammen, die in origi-nalgetreu nachgebauten Bauernhäusern des„ Deutschen Dorfes"gezeigt wurde. Mit Hilfe eines Finanzkomitees aus deutschenBanken und New Yorker Firmen unternahm er zu diesem Zweckim Sommer und Herbst 1892 einen„ Beutezug“( wie der ent-täuschte Weinhold sich ausdrückte) durch Deutschland und dar-über hinaus bis in die Schweiz und nach Tirol. Hier sammelte ergotische Möbel, Hausrat, Arbeitsgeräte, Trachten und Masken 6).
5) Karl Weinhold in seinem Nachruf auf Jahn, ZfVk 10, 1900,S. 218. Die ursprünglich geplante Bezeichnung, s. ZfVps 20, 1890, S. 372.6) Jahn, ZfE 25, 1893, S.( 28)-( 30)]. Zu den Tiroler Gegenständen:Museum für deutsche Volkstrachten... Berlin, Führer durch die Samm-lung, 2. Aufl., Berlin 1895, S. 22, 32 45 f., 50-53. Danach M. Haberlandt( ZföVk 1. 1895, S. 265; die hier genannten Gegenstände gehören zurChicago- Sammlung). F. Höft, Zur Geschichte des Museums für deutscheVolkstrachten... in Berlin( ZföVk 6, 1900, S. 103, Nr. 7-10; S. 104 dieNrn.( 339-439); die Masken fehlen hier). Karl Brunner( ZfVk 18, 1903,S. 245, 258.)
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