Jahrgang 
66 (1963) / N.S. 17
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Die Volkskundemuseen in Wien und Berlin

Gegenseitige Einflüsse und Beziehungen von ihrer Gründungbis 1945

Von Ulrich Steinmann

In seiner Veröffentlichung Das Österreichische Museum fürVolkskunde"( 1960) hat Leopold Schmidt mehrmals wechsel-seitige Einwirkungen und Beziehungen zwischen den beidenVolkskundemuseen in Berlin und Wien hervorgehoben. Ihre Ent-stehung und verschiedenartige Entwicklung auf Grund der ört-lichen Verhältnisse und die Initiative leitender Persönlichkeitenhaben einen unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß des einenMuseums auf das andere ausgeübt. Auch ein gewisser Wettbewerbzwischen diesen beiden zentralen Sammlungen ist vor dem erstenWeltkrieg nicht ganz zu verkennen. Auf den von L. Schmidt ge-gebenen Grundlagen soll hier von einer Berliner Sicht aus ver-sucht werden, einigen gegenseitigen Beziehungen in Organisation,Sammeltätigkeit, musealer Thematik und Forschung näher nach-zugehen und damit auch der Frage, wie das fast immer mittelloseBerliner Museum zu seinen österreichischen Beständen gekommenist.

Ebenso wie später bei dem Wiener Volkskunde- Museum warfür die Berliner Gründung das Nordische Museum in Stockholmstark wirkendes Vorbild gewesen. Als der verdiente Pathologeund Anthropologe Rudolf Virchow, gebürtiger Pommer( 1821-1902) und Vorsitzender der Deutschen und der Berliner an-thropologischen Gesellschaft, auf dem Anthropologen- KongreⓇin Stockholm( 1874) die soeben von Artur Hazelius eröffnetenbeiden Pavillons mit bäuerlichen Trachten und Geräten besuchte,war er so beeindruckt, daß er eine solche Trachten- und Geräte-Sammlung nun auch in Deutschland anstrebte. Die Berliner Ge-sellschaft für Anthropologie, entscheidend beteiligt an der Errich-tung des Berliner Völkerkundemuseums, beantragte deshalb,hier auch eine deutsche Abteilung einzurichten. Aber der präch-