Jahrgang 
65 (1962) / N.S. 16
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Maria Grass- Cornet. Bildhafte Feiern im Osterfestkreis( Son-derdruck aus Schlern- Schriften, Bd. 167). Innsbruck 1962, S. 97-126, mit Strichzeichnungen im Text und Abb. auf Tafeln.

Die Verfasserin hat sich schon früher einmal( Ostern in Tirol,herausgegeben von Nikolaus Grass, Innsbruck 1957, S. 155 ff.) mit demThema beschäftigt. Es geht ihr um die Beschreibung der öffentlichenBräuche vom Palmsonntag bis zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten,im wesentlichen in Nordtirol. Zahlreiche Einzelheiten, beispielsweisedie Palmprozession in Thaur, die Himmelfahrtsfeier in mehreren tirolerLandpfarrkirchen, das Heilige- Geist- Schwingen in Latsch und in Tisenswerden aus eigener Beobachtung geschildert. Verwandte Bräuche inder alpenländischen Nachbarschaft und in Bayern werden mit heran-gezogen. Die Angaben sind durch sorgfältige Fußnoten gestützt, derenAusführlichkeit zum Teil wohl auf die Hand von Nikolaus Grasszurückgehen dürfte.

Man fragt sich bei derartigen Darstellungen gelegentlich, ob solchelokale Beobachter nicht eigentlich die tatsächlichen örtlichen Eigen-heiten genauer beschreiben und erheben könnten. So wird die Palm-prozession in Thaur bei Hall geschildert, in einer Zeichnung und ineinem Photo treten auch die Esele" auf, die modellkleinen Palmesel-plastiken, die für Thaur so charakteristisch sind. Aber im Text werdensie in wenigen Worten erwähnt, ohne Hinweis darauf, daß sie ananderen Orten heute doch keine Gegenstücke haben. Auch ohne Hin-weis auf das vielleicht zu erhebende Alter dieser Stücke, auf einenihrer vielleicht noch greifbaren Schnitzer usw. Dabei handelt es sichhier sicherlich um einen quellenmäßig verfolgbaren Sonderbrauch.Diese auf einer Palmstange als Prozessionsfiguren mitgeführten Ese-len fallen infolge ihrer Modellkleinheit absolut auf, es hat keinenZweck, darüber mit allgemeinen Hinweisen auf die sonstige Bezeugungder Palmesel hinwegzugehen, da man sonst eben doch immer nur andie mehr oder minder lebensgroßen Prozessionsplastiken denkt. Manmuß hier aber die Sonderform ins Auge fassen, und diese wird in ihrenZusammenhängen wohl nur erklärlich, wenn man sich den anderen,freilich sehr spärlich bekanntgemachten kleinformatigen Palmeseln zu-wendet. Es hat sie gegeben, ab und zu finden sich Beispiele in Museenund Ausstellungen. Das Straßburger Museum( Musée des Arts decora-tifs) beispielsweise besitzt ein solches Palmeselchen aus Zinn, das wohlin Colmar um 1430 entstanden sein dürfte. Es gehörte dem dortigenDominikanerinnenkloster Unterlinden¹). Damit scheint aber ein Stich-wort gegeben: Diese modellgroßen Palmeselchen waren anscheinendDevotionsgegenstände von Frauenklöstern. Man denkt an Gegenstückewie die Christkind wiegen oder auch an das Goldene Rössel" desBenediktinerinnenstiftes Nonnberg in Salzburg. Von den Nonnenklösternaus könnten sich diese Palmeselchen in den Volksbrauch umliegenderDörfer verbreitet haben. Bei dieser Annahme denkt man im Fall Thaurselbstverständlich an Hall und sein Damenstift. Aber das mögen nunwieder die örtlichen Kenner erheben.

Leopold Schmidt

1) Gezeigt in der Ausstellung Europäische Kunst um 1400. AchteAusstellung unter den Auspizien des Europarates. Wien 1962, Kunst-historisches Museum. Katalog S. 319 f., Nr. 347.

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