immer. Ähnlich ist es ja bei der Hinterglasmalerei, deren Vorbil-der, die sogenannten„ Risse", man doch viel zu lang übersehenund nicht mitgesammelt hat. Aber erst ihr Besitz läßt die tatsäch-lichen Werkstattverhältnisse, zeitlichen Schichten usw. erkennen,wogegen die früheren Bestimmungen doch oft einem besserenRätselraten glichen.
Diese nurlose gestreiften Einzelprobleme verschiedenerVolkskunstgebiete sollten auf weitere Fragen hinweisen, die allein einem gewissen inneren Zusammenhang stehen, nämlich demder immer dringender werdenden Historisierung der volkskund-lichen Stoffe. Die letzten Jahrzehnte haben die Fragen der Alters-schichten unserer Stoffe, der volkskundlichen Sammelgüter, inimmer stärkerem Ausmaß an uns herangetragen. Wo früher im-mer wieder nur eine beiläufige Gegenwart gesehen wurde, herrschtheute durchwegs die Frage nach der zeitlichen Einordnung desEinzelstückes wie seines Typus. Man kann daher das Problemauch in der musealen Darstellung nicht umgehen. Es muß minde-stens in Proben gezeigt werden, wie beispielsweise die Trachten.die wir als solche nicht mehr haben, ausgesehen haben, als manjene Häuser baute, deren Bilder und Modelle wir daneben auf-stellen. Viktor Geramb hat ja einst mit der Trachtengalerie seinesSteirischen Volkskundemuseums einen Versuch gemacht, diesesgeschichtliche Trachten werden in Rekonstruktionen darzustellen.Das mag man heute vielleicht schon als problematisch empfinden,und hat es auch in dieser Form nicht weiter nachgemacht. Diesesehr kostümgeschichtliche Methode entspricht wohl auch nichtganz der volkskundlichen Fragestellung. Man wird daher zumTeil eher bei solchen Zusammenstellungen vielleicht gestaltlicheTypen herausarbeiten, und dabei Landschaftsstile und Zeitstilezur Geltung bringen. Ich denke da etwa an die von Josef Hanikazuerst erschlossenen Stilformen der Hauben. Man soll sich gerademuseal den Anregungen von optisch eingestellten Menschen aufdiesem Gebiet nicht verschließen.
Einigermaßen Gleiches gilt auch für die Zeitstile der Volkskunst,wobei etwa in Gebieten mit bemalten Möbeln auch Farbtypenerarbeitet werden können. Die bayerische Volkskunstforschunghat da vorbildlich vorgearbeitet, und man wird kaum überschät-zen können, was sich auf diesem Gebiet alles erheben läßt. wasrein landschaftsgeschichtlich verständlich wird, wenn man solcheGesichtspunkte beispielsweise im Zusammenhang mit der konfes-sionellen Geschichte einer Landschaft durchzudenken und dannauch sammlungsmäßig darzustellen versucht.
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