schuldig sein. Denn während die wichtigen und interessanten Pinz-gauer geschnitzten Blankholzmöbel zwar viel genannt werden, gibt esdoch keine Monographie darüber, auch keine Bestandsaufnahme zu-gänglicher Art, und daher auch keine Geschichte usw. Lahnsteiner hat,unbeeindruckt von irgendwelchen Theorien, die Möbel, die ihm be-kannt wurden, in den Stuben der Besitzer selbst aufgenommen undhier abgebildet, Er hat darüber hinaus aber auch auf die verschiedenenTischlerwerkstätten aufmerksam gemacht, die für die Herstellung inBetracht kommen. Wer da nacharbeiten will, wird es also schonleichter haben.
Die Heranziehung von archivalischen Belegen auf den verschie-densten Gebieten ist Lahnsteiner überhaupt sehr zu danken. Er ver-sucht die einzelnen Geschichten der Schlösser wie der Bürgerhäuserwie der Bauernhöfe in seiner Landschaft mit urkundlich gesichertenDaten zu stützen. Auch der jeweilige Fachmann wird für diese kundigeHistorisierung dankbar sein. Sicherlich sind nicht alle in der Landschaftaufgenommenen Eindrücke gleichmäßig verarbeitet. Aber wirklicheFehler sind doch selten. Es sei nur notiert, daß das Seitenaltarbild desWeyerkirchls( Band Oberpinzgau, S. 337) nicht, wie angegeben, denhl. Georg darstellt, sondern den weitaus selteneren hl. Chrysanth. Auchdas Zurückgreifen auf etwas veraltete Perchtenliteratur sei hier wohlvermerkt, doch schädigt es nicht das Gesamt des Werkes. Im Ganzenliegt doch eine ungemein reiche, gerade in den Details äußerst nam-hafte Gaubeschreibung vor, die man sich aus der heimatkundlichenLiteratur der Alpenländer nicht mehr wegdenken möchte.
Die Bände sind, ebenso wie die des Pfarrers Matthias Mayer inGoing, im Selbstverlag erschienen. Man muß also die Bestellungen anKanonikus Lahnsteiner selbst richten, für den ersten, bereits seltenwerdenden Band an die Gemeinde Mittersill.
Leopold Schmidt
Joachim Schwebe, Volksglaube und Volksbrauch im Hannover-schen Wendland(= Mitteldeutsche Forschungen, Bd. 19). BöhlauVerlag Köln- Graz, 1961. 272 Seiten, 2 Karten.
In lebensvollen Darstellungen hat uns Gottfried Henßen wieder-holt jene Menschen nahe gebracht, die Traditionen aufnehmen, gestaltenund ihrer Umgebung und Nachwelt vermitteln. Schwebe weiß dieAnregungen seines Lehrers voll zu nutzen. Noch vor 1957 vermochte eraus einer kleinen Landschaft eine erstaunliche Fülle von Zeugnissen zuVolksbrauch und Glauben zu bergen, weil er die dortige Mundart er-lernte und den Weg zu den Trägern der Überlieferung fand.
Nördlich von Salzwedel, zwischen der Lüneburger Heide und derElbmarsch, liegt das Untersuchungsgebiet. Die Grenzen seiner eigen-artigen niederdeutschen Mundart stimmen mit jenen der Sachkulturüberein, was zu weiteren Forschungen Anlaß sein sollte. Die Bewohnerund deren Charaktereigenschaften vermag Schwebe treffend zu kenn-zeichnen, weil er Selbstzeugnisse und die Urteile der Nachbarn ausAltmark, Swienmark, Elbgegend und Danneberg verwertet. Auf über80 Seiten führt er 661 wortgetreue Belege seiner 160 Gewährsleute an,die wir in einem Sonderverzeichnis kennenlernen. Es ist ihm zu späterStunde gelungen, zeitlich weit zurück zu greifen. So haben ihm Leuteberichtet, die zwischen 1865 und 1868 geboren wurden, viele stammtenaus den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Diese Verweise,
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