Jahrgang 
64 (1961) / N.S. 15
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segen teilhaben; ein Weidenkätzchen und der Weihkessel prangenan der Stalltüre, von Haus zu Haus wandern die Ostereier 30). Fürden 1. Mai, wurden Fenster und Türen, vor allem auch das Gas-sentor, mit Holunderästen geschmückt. Die älteren Burschen desDorfes stellten am Vorabend des 1. Mai vor der Kirche einen gro-Ben Maibaum( der auch als Kirchenweihbaum diente) auf, dessenSpitze mit einer Baumkrone verziert war. Nachher steckten sieder Intelligenz, den Mitgliedern der Gemeindevorstehung und denKaufleuten Maibäume, die ebenfalls mit einer Blumenkrone ge-schmückt wurden. Nach beiläufig drei Wochen wurden die Mai-bäume, bis auf den einen vor der Kirche, unter Musikbegleitungherausgerissen, wobei einer der Burschen im Namen seiner Kame-raden, die mit dem Maibaum Beehrten hochleben ließ. Diese er-wiesene Ehre wurde mit einem Geldgeschenk belohnt. Der Mai-baum vor der Kirche wurde erst am 31. Mai wieder entfernt. An-dere Burschen gruben in der Nacht auf den 1. Mai vor den Häusernder Mädchen Löcher, wobei sie die Erde recht weit davon weg-warfen, oder sie streuten ihnen Spreu, Stroh, oder Kukuruzlaubauf die Gasse. Ja, sogar die Köpfe von Pferdeskeletten wurdenihnen vor das Fenster auf einen Baum gebunden oder auf dieGiebelspitze des Hauses gesteckt. Da mußten die Mädchen am1. Mai sehr zeitig aufstehen, um die Löcher zuzuscharren und dieGassen zu kehren 31). Es können auch in diesem Volksglaubenheidnische Glossar ::: zum Glossareintrag heidnische Vorstellungen gesucht werden: In jedes Schlüssellochsteckten die Kinder Holunderzweige, zeichneten Trudenfüße aufdie Türen und legten einen Besen vor die Stalltür, damit die,, Trude" nicht in das Haus eindringen könne. Sollte sie dennochdas Euter der Kühe aussaugen oder die Pferde plagen, so wirdeine Sichel in den Deckenbalken gehackt, damit sie sich aufreite.Die Trude reitet auf einem Besen und erscheint auch in Gestalteines Strohhalmes, aus dem beim Durchschneiden Blut fließt. Wäh-rend der 1. Mai später in den Städten als Arbeitsfeiertag galt,wurde auf dem Lande die Arbeit fortgesetzt. Die Sitte, am 1. MaiHäuser und Plätze mit Blumen und Bäumen als dem Symbol derKraft und Fruchtbarkeit zu schmücken, wurde oft auf Pfingstenübertragen. Da man dazu meist Birken auswählte, wurden diesevielerorts einfach Maien genannt. Die im Barock vollzogene Er-hebung des Mai zum Maimonat hat die Eingangsfeier dieses Monatsreligiös, und zwar im besonderen Sinne marianisch geformt. In-zwischen, 10 Tage vor Pfingsten fiel Christi Himmelfahrt. An denvoraufgehenden Bittagen fanden Prozessionsgänge zu den

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30) VL 155.

31) P 45.