-
auf. Dieser Brauch sollte das Haus vor Blitzschlag bewahren 27).Am Karsamstag abends machten sich die Kinder mit Spreu undStroh in der Scheune ein Nest, in das ihnen dann der Osterhasein der Nacht gefärbte Eier gelegt und Lebkuchen, Äpfel und Nüssegetan hat. Bis zur Vollendung des schulpflichtigen Alters gingendie Kinder zu Weihnachten und zu Ostern zu Pate und Godl,Weihnachts- und Ostergeschenke abholen. Mit dem Karsamstagsind Frühlingsbräuche verbunden: das Sammellied der Ratscherwar eine Abwandlung der pfälzischen Darstellung des Kampfeszwischen Sommer und Winter. Die Auferstehungsprozessionversammelte in der Dämmerung Groß und Klein, die bei beleuch-teten Fenstern unter feierlichem Allelujagesang das hochwürdigsteGut durch die Gasse begleiteten 28). Am Ostersonntag stan-den die Bewohner des Hauses früh auf, redeten nichts miteinander,sondern gingen in den Hof unter freiem Himmel, erhoben ihreArme gegen den Himmel und seufzten also:„ Hoch gelobter heili-ger Ostertag, behüte mich vor dem sieben und siebzigerlei Fieber;helf mir Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist“. DasFrühstück bestand aus einer Eierspeise mit drei Stück Speck. Nachdem Frühstück hat jeder drei Palmkätzchen hinuntergeschlucktvon dem am Palmsonntag geweihten Palmzweige„ in den dreihöchsten Namen", das heißt in Namen der allerheiligsten Drei-faltigkeit. Am Ostermontag fuhr man gern in die Nachbar-dörfer, zu den Verwandten, oder man ging auf den Hotter, dieSaat anschauen. Man nannte dies„ auf Emmaus gehen 29).
Mit dem Frühling stellte sich aber auch die Sorge für die Feld-früchte ein. Um die größte Gefahr, den Hagelschlag, von denSaaten abzuwenden, wurden am Ostermontag bei der Emmaus-fahrt, die am Palmsonntag geweihten Palmen unter Abbeten einesVaterunsers in die Ackerfelder gesteckt und vielerort mit dieserWidmung Hagelämter gelesen; Kinder unterhalten sich im Früh-ling mit Bohnen, Knöpfen oder Springspielen( Klasse- Hupse= Hinkspiel). Dem Osterwasser schrieb der Volksglaubenvielerorts heilende, verjüngende Kraft zu. Gerade bei den Oster-bräuchen mit ihren verschiedenen Benediktionen des Wassers,der Eier, des Fleisches erscheinen schon immer Religion und Naturals ganz untrennbare Einheit. Geweihte Weidenkätzchen, Buchs-zweige, geweihtes Feuer, geweihte Holzasche, geweihtes Wasserleiten das Fest ein. Mit dem geweihten Wasser zog die Gemeindeüber den Friedhof, selbst die Tiere im Stall ließ sie am Oster-
27) P 44.
28) H 244 245.
29) P. a. a. O.
2
245