Jahrgang 
64 (1961) / N.S. 15
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Gassen untereinander aufgeteilt, von Haus zu Haus, um die Leutezum Beten aufzufordern oder sie zu kirchlichen Handlungen undAndachten einzuladen. Mittags um zwölf Uhr rufen sie in jedemHaus: Mer ratsch, mer ratsche den englischen Gruss. Das jederkatholische Christ beten muss". An Stelle der Abendglocke: Leit,Leit, ist Petglockzeit/ Gebetglockzeit/. Daß er Eich zum Himmelberet/ et/. Fallt auf die Knie und bet/ et/ auf zu Maria!" Am Kar-freitag und am Karsamstag kündeten sie jede kirchliche Hand-lung: Das ist das erstemal"/ das zweitemal/ für die Predigt/Aussetzung, Feuerweihe, Wasserweihe, Einsetzung und die Pas-sion! Am Karfreitag um elf Uhr: Das ist das bittere Leidenund Sterben unseres Herrn Jesu Christi...!" Die Sprüche wur-den laut in den Hof gerufen. Darauf folgte ein kräftiges Rat-schen 25). Am Gründonnerstag wurde grüner Salat oder Spinatgegessen, und da es kein gebotener Feiertag war, floß die Arbeit,wie an den übrigen Wochentagen weiter. Dagegen wurde derKarfreitag ganz ernst gefeiert. Kirchenbesuch und Teilnahmean der Kreuzwegandacht versammelten alle Dorfbewohner, diedann auch das Fastengebot wie erwähnt streng einhielten.Am Karfreitag hat man in jedem Hause ein kleines Weißbrotgebacken( ,, Mitschel) und dieses schenkte man dem ersten Bettleram Karfreitag. Ein volkstümliches Gebet am Karfreitag: DieMutter Gottes stand unterm Kreuze, Sah ihrem Sohne sein bitteresLeiden an. Johannes, liebster Diener mein! Nimm meine Mutter anihrer rechten Hand, Und führe sie weit vom Kreuze hintan. Damitsie nicht sieht mein Leiden und Sterben an. Oh Herr! Ich willsgerne tun. Und will sie trösten, wie ich kann, Wie ein Kind seineMutter tröstet. Am Karfreitag ward Jesus ins Grab gelegt. Erschreit: oh weh! oh weh! Wie tun meine Wunden weh! Die kleinenund die großen. Die geschlagen und gestoßen. Ist's Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib oderMann, der dieses Gebet hört. Und nicht weiter lehrt, Wird amjüngsten Tag verwiesen werden. Amen" 26). Am Karsams-tag, wenn die Glocken zurückgekommen waren, zogen die Rat-scher zusammen von einem Haus zum anderen, ein Österlied sin-gend und Geschenke sammelnd. Sie bekamen meist befärbteOstereier. Am Karsamstag vormittags ward während der kirch-lichen Zeremonie, im Kirchhof neben der Kirche ein Feuer ange-zündet. Von den zurückgebliebenen Kohlen dieses Feuers wurdeein Stückchen mit nach Hause genommen und damit auf jede Türeein kleines Kreuz gemacht. Den Rest wickelte man in ein Tuch undlegte dieses in einen Schrank, oder hängte es auf dem Dachboden

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25) Hofmann, 105, H 244, HDS IV, 94.

26) Aufgezeichnet von Hans Hagel.( BDK, 1929, Heft 3, A 28).