Burschen, als Mädchen verkleidet, sämtliche maskiert, zogenpaarweise die Straßen entlang, besuchten näher befreundeteHäuser und erhielten Speck und Eier, die nach dem Aufzug imWirtshause, wohin sie sich begeben, verzehrt wurden. Auch dierunde Gestalt, der während der ganzen Faschingszeit gebräuch-lichen Krapfen(„ Kichel") welche angeblich auf einen Opfer-kuchen zurückgehen hatte dieselbe Bedeutung wie das Wagen-rad, wie denn auch das Essen und Trinken, das auf den Umzugfolgte, eigentlich eine Segenshandlung dargestellt hat. Vermum-mung und Maskierung wollte es auch sein, wenn am Faschings-dienstag Kinder sich gegenseitig schwarze Schuhwichse ins Ge-sicht schmierten. Bei Morgenanbruch des Aschermittwochs wurdeunter den Klängen eines Trauermarsches ein Musikinstrumentin den Fußboden des Tanzsaales versenkt. Nirgends wurde dieFastnacht mit solch großem Enthusiasmus kultiviert wie in Weiss-kirchen. Von dem oben angedeuteten Fastnachtszug wich derWeisskirchener insofern ab, als hier der Einzug des Frühlingsgefeiert wurde. Der Analogiezauber richtete sich auf den Früh-ling als Blumen- und Wachstumskraft. Hier fanden auch Früh-jahrsumritte statt, wenngleich nicht wie in den reichsdeutschenLanden, am Georgitag, sondern auf die Fastnacht herausgescho-ben 21). Während der drei letzten Faschingstage wurde fleißigdem Tanz gehuldigt. In der Nacht auf Aschermittwoch wurde umMitternacht in der Kirche geläutet, worauf alle Unterhaltungenabgebrochen wurden. Ein Mitglied der Gemeindevorstehungsorgte dafür, daß beim Faschingsläuten das Wirtshaus geräumtwurde.
Um Aschermittwoch rückt die Wetteraussicht immer mehr inden Vordergrund des Interesses der Bauern: Lichtmess mit demaus den Höhlen kriechenden Bären zeigte schon an, was zu erwar-ten ist; unruhiger macht sie der Matthiastag( 24. Februar) undVierzig Märtyrer( 10. März), denn zu Josefi( 19. März) soll derMais in den Boden geschafft werden und am Georgitag( 23. April)bzw. zu Markustag( 25. April, Fruchtweihe) der Weizen so großsein, daß sich ein Rabe darin verstecken kann. Sobald Gertrud( 17. März), die erste Gärtnerin, günstig ist, setzt die Arbeit inFeld und Garten ein und wird zu Karfreitag und Ostern unter-brochen.
St. Georg, der seit Richard Löwenherz als Patron derKreuzritter erscheint, gilt seit dem Mittelalter auch ganz allge-mein als Schutzherr der Ritter und Reiter, der Schützen undWaffenschmiede, der Soldaten und Wandersleute, besonders aber
21) PH 244; BDK 1929, Heft 3, S. 19-20.
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