Jahrgang 
64 (1961) / N.S. 15
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Patrozinien und Volkskunde

Von Karl Lugmayer

Im Wörterbuch der deutschen Volkskunde"( 1955) lesen wir: Eine vordringliche, wenngleich schwierige Forschungsaufgabestellt die Frage dar, wie weit die Heiligen der mittelalterlichenKirche an die Stelle von Gestalten und Vorstellungen älterenVolksglaubens und germanischer Religion getreten sind..." 1).

Hier soll ein kleiner Vorversuch zur Lösung dieser Aufgabegebracht werden. Das Material stammt zunächst aus dem Dehiofür Niederösterreich( 1953) 2), umfaßt also die Diözesen St. Pöl-ten und Wien, aber ohne das Stadtgebiet Wien. Diese Patrozinien-Statistik unterscheidet auch nicht zwischen Kirchentitel, Haupt-patron und Nebenpatron. Sie versucht lediglich festzustellen,welche Heilige als Kirchenpatrone aufscheinen. Es schließen sichgleich zwei Fragen an: scheinen diese Heiligen auf, weil sie bereitsvolkstümlich geworden sind oder wurden sie volkstümlich, weilsie aufscheinen. Es dürfte bald das eine, bald das andere der Fallsein. Es ist bekannt, daß besonders im niederösterreichischenWeinland das Fest des Kirchenpatrons, die Kirchweihe, nochErinnerungen an ein altes Sippenfest zeigt, indem sich hier dieVerwandten, auch aus Wien, einmal im Jahr treffen.

Die Gründe, warum in einer bestimmten Kirche ein bestimm-ter Heiliger zum Patron wurde, sind sehr mannigfach. Man bekommtdavon eine Ahnung, wenn man die Ausführungen E. K. Win-ters in seinen Severin- Studien über Translationen, Festzyklen,Kalendermystik, Monatszyklus, Heiligenfeste zur Jahreswendeliest). Das alles bleibt ohne alle Berührung mit etwa noch vor-handenen Resten germanischer Religion. Es verraten sich hierkirchliche Gepflogenheiten der Mönche, Severins, Benedikts, deririschen Mission. Eine Art Heiligenverehrung zeigt sich bereits im

1) Oswald A. Erich und Richard Beitl, Wörterbuch der deut-schen Volkskunde. 2. Aufl. besorgt von Richard Beit 1. Stuttgart 1955.S. 311.

2) Dehio- Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs. Bd. Nieder-österreich, neubearbeitet von Richard Kurt Donin. 3. Aufl. Wien 1953.

3) Ernst Karl Winter, Studien zum Severinsproblem(= Kle-mens Kramert und E. K. Winter, St. Severin. Der Heilige zwischen Ostund West, Bd. 2, Klosterneuburg 1959.

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