Normandie; Georges Klein untersucht die interessante Gruppe derdekorierten Dachziegel, der sogenannten Feiertagsziegel, im Elsaß:Lucien Tesson macht den beachtenswerten Bestand von 19 kirchlichenKollekteschüsseln aus der Schatzkammer der Kathedrale von Beauvais,die alle aus den pikardischen Werkstätten von Savignies stammen undzum größten Teil dem 17. Jahrhundert angehören, bekannt; schließlichsind noch die Beiträge über verschiedene Erzeugungslandschaften und-orte der volkstümlichen französischen Keramik zu nennen: die Fayencender Gegend von Nantes J. Stany- Gauthier], Keramik derArgonnen[ E. Pomarèdel. der Töpferort Etrepigney in der Freigraf-schaft Jean Garneret, bretonische[ P. Quiniou] und südwest-französische[ Marguerite Vidal] Töpferwaren.
Die Bilderbogenkunst, gleichfalls ein Vorzugsthema derfranzösischen Volkskunstforschung, wird hier von André Jacque min.dem Leiter des vor wenigen Jahren in der lothringischen Bilderbogen-stadt Epinal gegründeten Spezialmuseums, in einem abrißartigen Über-blick dargestellt. Aus der Reihe von Aufsätzen auf den Gebieten derVolkstracht, der traditionellen Architektur( Adolphe Riff.J. Choux), der Möbel( Suzanne Tardieu, über die dekoriertenHochzeitskästen) und der Volkskunst aus den WeinbaugebietenBurgund, Oberelsaß und Lothringen( J. Dellisy, L.-G. Werner.André Bellard) zieht die Arbeit von Marcel Boulin über dieBauerntische mit schüsselförmigen Vertiefungen in der Tischplatte unserbesonderes Augenmerk auf sich. Der älteste Beleg dieser französischenMöbelgattung, den der Verfasser in seiner Sachmonographie anführenkann, wird bezeichnenderweise in der Sammlung des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde in Wien aufbewahrt. Arthur Haberlandthatte dieses Objekt 1912 in der Bretagne erworben( ÖMV Inv. Nr. 27.966)und im gleichen Jahr auch noch veröffentlicht.( Beiträge zur bretonischenVolkskunde. Erläuterungen zur bretonischen Sammlung. Ergänzungs-heft VIII zu Band XVII der Zeitschrift für Österreichische Volkskunde.Wien 1912, S. 15-17, Fig. 3.) Das ist jedenfalls ein Beweis dafür, mitwelch sicherem Griff in der Frühzeit der Sammlung bedeutende Gegen-stände erfaßt worden sind. Es ist geradezu erheiternd zu lesen, auf wel-chen Umwegen der Autor zur Kenntnis dieses seit immerhin 50 Jahrenpublizierten Stückes gelangt ist.
Pierre Marot, der Präsident der französischen Volkskundegesell-schaft, schrieb zu diesem Sammelwerk das Vorwort, das insofern von be-sonderer Bedeutung ist, als es über den Rahmen eines festlichen Geleit-wortes hinaus einen knappen, aber sehr instruktiven wissenschafts-geschichtlichen Abriß der französischen Volkskunde bietet. Ich wüßte inder französischen Fachliteratur keinen entsprechenden Beitrag zu nennen.Daraus ergibt sich der besondere Wert dieser Darstellung, auf die hierausdrücklich verwiesen sei.
Eine günstige Beobachtung drängt sich bei der Betrachtung diesesGemeinschaftwerkes schließlich noch auf. Neben den Vertretern deralten Generation, die gemeinsam mit Adolphe Riff in den Dreißiger-jahren die Gestaltung des obgenannten Volkskunstjahrbuches besorgthatten, macht sich hier eine starke junge Generation, die zu einemgroßen Teil durch die Schule des Pariser Volkskundemuseums gegangenist, geltend. So bleibt angesichts der gelegentlich geäußerten Sorge umden wissenschaftlichen Nachwuchs der französischen Volkskunde der Ein-druck, daß dieses Werk nicht nur eine„ Spätlese" ist, sondern auch einenverheißungsvollen„ Sturm" enthält.Klaus Beitl
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