Erwiderung zu ÖZV XIV/ 63/ 1960, S. 133 ff.
In seiner Rezension des Berichtbandes von der 2. Arbeitstagungüber Fragen des Atlas der deutschen Volkskunde im vorletzten Heft die-ser Zeitschrift macht E. Burgstaller gegen einen einzigen Beitragkritische Einwände, nämlich meinen über Südtirol. Er bemängelt, daß ichhervorhob, meine Aufzeichnungen erfaßten sämtliche Orte des Landes,dieses Verfahren sei weder neu, noch vereinzelt. Dem ist entgegenzu-halten, daß mein Verfahren vor 20 Jahren tatsächlich neu und unge-wöhnlich war. Es bestand übrigens nicht nur aus einer Erfassung sämt-licher Orte, sondern aus der grundsätzlichen Doppelbefragung durchFragebogen und direkte Aufzeichnung im möglichst gleichen Ausmaß.die sich gegenseitig ergänzen und kontrollieren. Die von Burgstaller ge-nannten anderen Unternehmungen gab es zur Zeit meiner Forschungennoch nicht, sie verwenden meine Methode auch nicht im gleichen Um-fang. Außerdem betonte ich selbst( S. 19), daß meine Methode heute nichtmehr so neu ist, es aber zur Zeit ihrer ersten Anwendung war. Burg-stallers Einwand ist also ganz überflüssig. Ferner wendet sich Burgstallergegen das Hervorheben der besonderen bildnerischen Begabung desTiroler Volkes( einschließlich umgebender Grenzsäume, wie ich eigenshinzufügte). Auch abgesehen von den durch Burgstaller bestrittenenForschungsergebnissen von A. Helbok lehrt ein Blick auf die gesamtetirolische Volkskultur( nicht Südtirol allein, wie Burgstaller unrichtigzitiert), z. B. das Maskenschnitzen, die Möbelauszier, die getäfeltenStuben, die Bundwerkgiebel mit reichster Auszier, das Malen auf denHauswänden usf, die Richtigkeit meiner Beobachtungen. Ich erinnere anA. Dörrers„ Pranggedanken", den er für solche und andere Erscheinun-gen des Tiroler Volkslebens prägte. Burgstaller erklärt auch einige an-geführte typische Verbreitungsbilder meiner Karten nicht für neu. Erhat meinen Vortrag weder gehört, und die dabei vorgelegten Karten ge-sehen, noch genügend zitiert, was ich darüber in der Publikation sagteund was über die von ihm allein herangezogenen Beispiele hinausgeht:z. B. die kulturelle Kleinkammerung Südtirols in 7 Räume. Wenn er da-gegen seine eigenen Gebäckkarten anführt, so sind diese erstens nicht aufGrund eigener Forschungen Burgstallers in Tirol erstellt, sondern ausdem Fragebogenmaterial des AdV gezogen, auf dessen Vorhandensein inInnsbruck ich Burgstaller 1946 aufmerksam machte; zweitens aber liegenmeine Forschungen früher als die Karten Burgstallers.
Richard Wolfram
75