genannt. In der letztgenannten Abhandlung mit dem Untertitel„ ZumAnteil der Rheinlande an der Entwicklungsgeschichte des Neuhoch-deutschen" kommt uns nur die Polemik gegen das 1874 erschienene bahn-brechende Buch von Richard Heinzel„ Geschichte der niederfränkischenGeschäftssprache" sehr verspätet vor. Bemerkenswert erscheinen einigenamenkundliche Abhandlungen, so von Heinz Engels( Die Ortsnamenauf-angen im Westmoselfränkischen), von Ernst Christmann( Trappenberg, Wurmberg, Narrenberg, Bärenbach) und Wolfgang Jung.andreas( Die moselfränkischen Zunamen im Mittelalter). Einen in-teressanten Überblick über eine ostdeutsche Literaturlandschaft gibt Lud-wig Petry( Das literarisch- künstlerische Antlitz Schlesiens im Mittel-alter).
-
Zwei Arbeiten sind dem Sprichwort gewidmet: Lutz Röhrich be-handelt Sprichwörtliche Redensarten aus Volkserzählungen“ mit Aus-wertung der oft recht versteckten Redensarten- Literatur, und FriedrichOhly spricht„ Vom Sprichwort im Leben eines Dorfes“ ungefähr in derlebensvollen Art, wie Mathilde Hain in ihrem Buch„ Sprichwort undVolkssprache( Gießen 1951). Hatte Hain ihre Beobachtungen in demoberhessischen Dorf Ulfa in der Wetterau gesammelt, so Ohly, übrigenszur gleichen Zeit, zu Anfang des letzten Krieges, die seinen in Holzburgim Kreis Ziegenhals. Das sind also Arbeiten, die mit denen Kurt Wagnersin engem Zusammenhang stehen und hier besonders sinnvoll erscheinen.
Auf dem Gebiet der Sachvolkskunde gibt Heinrich Becker Beob-achtungen zur„ Seetangwirtschaft und Tangfluren an der atlantischenKüste( nämlich in Irland), und Karl Rumpf eine kurze Zusammen-stellung über„ Das Rad mit dem Speichenkreuz“( S. 294, ff., Skizzen desVerfassers). Die altertümliche Konstruktion des Rades mit den vier Dod-pelspeichen ist von Rumpf auch in Kärnten und Salzburg beobachtet wor-den. Es hat sich jedenfalls um eine weitverbreitete Konstruktionsformgehandelt, die auch an den von Rumpf nicht herangezogenen MühlrädernAnwendung fand. Dies zeigt beispielsweise das schöne Bild„ Die Wasser-mühle von Meindert Hobbema( 1638-1709)( abgebildet bei R. vanLuttervelt, Holländische Museen. München 1961. S. 216/217).
Alles in allem jedenfalls ein wertvoller Sammelband, der die beson-ders in Westdeutschland noch lebendige Arbeitsgemeinschaft von Germa-nistik und Volkskunde wieder stärker betont, wie dies im Zeichen KurtWagners sehr berechtigt erscheint.Leopold Schmidt
Festschrift für Franz Oelmann(= Bonner Jahrbücher, Heft 158) 543 Sei-ten, mit 85 Tafeln und 137 Abb. Kevelaer, 1958( erschienen 1960), VerlagButzon& Bercker.
Auf die umfangreiche, vorzüglich ausgestattete Festschrift für denhochverdienten rheinischen Archäologen, vormals langjährigen Direktordes Rheinischen Landesmuseums in Bonn, muß auch in unserem Bereichnachdrücklich hingewiesen werden. Zunächst der Persönlichkeit des Jubi-lars wegen, der sich mit seiner Forschung zur Hauskunde, vor allem mitdem Band„ Haus und Hof im Altertum"( 1927), aber auch nicht mindermit Hausurnen oder Speicherurnen"( Bonner Jahrbücher Bd. 134/1929)sehr nachdrücklich in die Geschichte dieser Forschung eingetragen_hat.Dann aber selbstverständlich wegen der zahlreichen Beiträge dieser Fest-schrift aus Grenzgebieten unseres Faches. Neben den verschiedenen sied-lungs- und religionsgeschichtlichen Arbeiten z. B. von Wolfgang Dehn,Rudolf Egger, Kurt Erdmann, Ernst Kirsten, Hans Klumbach, Wolfgang
63