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64 (1961) / N.S. 15
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leben in den überlieferten Ordnungen, scheidet neben allem anderenschon deswegen aus, weil ihr ein logischer Fehler zugrundeliegt insoferne.als das zu Definierende nicht in der Definition enthalten sein darf;Volksleben ist ja gerade Leben in den überlieferten Ordnungen. Imübrigen ist es töricht zu behaupten, daß der Volksbegriff der modernenVolkskunde den Weg zur richtigen Erkenntnis und Würdigung nationaler,stammlicher und anderer kultureller Besonderheiten versperre; er bein-haltet ja schließlich nur, daß Volkskunde überall unter denselben Vor-aussetzungen bearbeitet werden könne und solle, wo die nämlicheGrundsituation dies ermöglicht.

Am Schluße bleibt es mir noch übrig zu sagen, daß das besprocheneWerk als die umfassendste derzeit existierende Materialsammlung undLiteraturdarbietung einzig dasteht und nicht nur für Studierende, son-dern auch für Lehrende aus diesem Grunde unentbehrlich ist. Nichts lägemir auch ferner, als die ungeheure Arbeit, die die Kräfte eines Einzelnenschier übersteigt, nicht anzuerkennen. Die gemachten Vorbehalte jedochnötigen zu der Feststellung, daß das Buch, um auch als Lehrbuch imengeren Sinne seine Aufgabe zu erfüllen, einer vorherigen Gebrauchs-anweisung bedarf.Rudolf Kriss

Wolfgang Brückner. Die Verehrung des Heiligen Blutes in Wall-dürn. Volkskundlich- soziologische Untersuchungen zum Strukturwandelbarocken Wallfahrtens(= Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunst-vereines Aschaffenburg e. V., Bd. 3). Aschaffenburg, in Kommissionbei Paul Pattloch- Verlag, 1958, 80, 352 S., 92 Abb., davon 12 Karten-skizzen.

Der Verfasser stellt seiner Untersuchung zum Wallfahrtswesen eineerkenntnistheoretische und methodische Forderung voran, die er in kri-tischer Auseinandersetzung mit der kultur- und kunsthistorisch einge-stellten Forschung in Süddeutschland und Österreich und mit den Hagio-logen und Kirchenhistorikern des Rheinlandes und Westfalens folgen-dermaßen formuliert: kulturgeschichtliches und soziologisches Begreifendes heutigen Wallfahrtens als aktive Gemeinschaftsleistung. Die metho-dischen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sollen an einem fest-umrissenen und konkret bestimmbaren Untersuchungsgegenstand sozu-sagen durchexerziert werden. Brückner betont in der Einleitung. Zielist nicht die Monographie eines Wallfahrtsortes, sondern deren Frucht-barmachen für eine vertiefte Kenntnis des Wallfahrtswesens als Aus-druck lebendiger Volksreligiosität und Gemeinschaftsleistung". Als Bei-spiel wurde die Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn im ErzbistumMainz herangezogen, die neben Vierzehnheiligen( Bistum Bamberg)und Dettelbach( Bistum Würzburg) die größte fränkische Barockwall-fahrt ist, deren Kult dem Mittelalter entstammt und die nach einer Zeitdes Niederganges im 19. Jahrhundert gegenwärtig zu einem Kultzentrumin modernem Sinn aufsteigt. Diese Kontinuität der Wallfahrt, das Fort-leben der historischen Kultformen und-gemeinschaften, schließlich auchdie Lage als kultischer Mittelpunkt zwischen Rhein- und Mainfranken.zweier politisch und konfessionell differenzierter geschichtlicher Land-schaften, haben den Verfasser in seiner Wahl bestimmt.

Zur Methode. Die Grundlage für das Verständnis der heutigenWallfahrt bildet das historische Studium. In Anlehnung an die seit Jah-ren erprobte Arbeitsweise der gegenwärtigen bayerischen Volkskunde-forschung greift Brückner unmittelbar auf die archivalischen Quellenzurück, um Ursprung und Wandlung des Wallfahrtskultes aufzudecken.

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