kunde" vorhanden sind, werden die„ musealen Vorläufer und Anreger"vorgeführt, die durch ihre Ideen ganz allgemein wirkten. Es kann des-halb ohne weiteres Rousseau als„ maßgebend für die ersten Sammlungenin den Alpenländer“ bezeichnet werden. Schweizerisch würde man hie-für vielleicht noch weiter zurückgehen und Renward Cysat( 1545-1614)nennen, und neben Rousseau zum mindesten und wohl nachhaltiger Karlvon Bonnstettens„ Briefe über ein Schweizer Hirtenland"( 1793) er-wähnen. Parallel zu den österreichischen Trachten- und Genremalernund der Bildersammlung Erzherzog Johanns gehen in der Schweiz die„ Kleinmeister"( R. Nicolas u. A. Klipstein, Die schöne alte Schweiz. DieKunst der Schweizer Kleinmeister. Zürich u. Leipzig 1926) und dieZurlauben'sche Bildersammlung. Die Angaben über das„ EthnographischeDorf an der Wiener Weltausstellung von 1873 also ein Jahr nach derGründung des Nordiska Museum in Stockholm durch Arthur Hazeliusmöge man zur Ergänzung meines Aufsatzes über den„ derzeitigen Standder Freilichtmuseen in Europa und in USA"( im Bayerischen Jahrbuchfür Volkskunde 1959) heranziehen; sie liegen also wesentlich vor demEthnographischen Dorf der Milleniums- Ausstellung 1896 in Budapest.
Das folgende Kapitel, in dem„ Gründung und Gründer" dargestelltwerden, bringt die Beziehungen zu Budapest und Prag; es weist auf diefür die damalige Situation in Österreich so bezeichnende Gleichsetzungvon Volkskunde und Völkerkunde. Ansätze zur Gründung eines Museumsder deutschen Volkskunde in Österreich wären vorhanden gewesen, aberdie Pläne des Gründers Michael Haberlandt gingen in andere Richtung.Die Museumsgründung ging Hand in Hand mit der Gründung des Vereinsfür österreichische Volkskunde und der Zeitschrift für österreichischeVolkskunde, also mit Bestrebungen, wie sie auch in anderen LändernGültigkeit hatten.( Für die Schweiz erwiesen sie sich dann in der Folgeals recht unglücklich für das Museum, weil heute das SchweizerischeMuseum für Volkskunde eines der_wenigen großen Museen ist, demüberhaupt kein wissenschaftliches Enquête- und Belegmaterial, nichteinmal eine eigene, nennenswerte Bibliothek zur Verfügung steht; dieseVerhältnisse sind nur aus der Situation bei der Gründungszeit heraus zuverstehen. Wie viel beneidenswerter steht doch das Wiener Museum indieser Hinsicht da!).
Die folgenden Kapitel- es sind deren 10- bringen die Namenund die Geschichte der großen Sammlerpersönlichkeiten, wobei dasSchicksal oft die eigenartigsten Wege geht; man lese etwa, wie die herr-liche Sammlung von Johann R. Bünker ungefähr 60 Jahre lang in Depotsherumlag und erst 1954 in das Museum für Volkskunde übergeführtwerden konnte, oder wie gar die verschollene Baskensammlung HugoSchuchhardts 1959 in den Kellern der Grazer Universitätsbibliothek auf-gefunden wurde. Es lag in den Absichten Michael Haberlandts, ver-gleichende Volkskunde zu betreiben, nicht nur mit dem Material derBalkanländer, sondern durch den Einbezug der europäischen„ Rückzugs-gebiete", also der Basken, aber auch der Bretagne( Trebitsch) und Hoch-savoyens( Eugenie Goldstern). Mein Kollege Leopold Schmidt wird esbegreifen, wenn ich mit etwelcher Wehmut- gemischt mit Neid undwohl auch etwas Zorn über den früheren Unverstand- an die einzigschöne Sammlung aus dem bündnerischen Münstertal denke, welche durchEugenie Goldstern für Wien gesammelt wurde. Außerordentlich inter-essant sind die Schilderungen früherer Ausstellungsprinzipien und derVersuche einer Darstellung der Volkskunst. Es ist klar, daß wir heute,neben der durchaus positiven Würdigung, auch die Mängel einer solchen
45