Jahrgang 
64 (1961) / N.S. 15
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nachdem er viele Jahre hindurch Direktor des Bayerischen Landesamtesfür Denkmalpflege gewesen war. In allen seinen Stellungen war erimmer wieder bemüht, der Volkskunstforschung ihr so wesentlich vonder Münchner Schule geprägtes Gesicht zu erhalten. Die Anregungendurch Hans Karlinger einerseits, durch Adolf Spamer andererseits, indessen Münchner Jahren, haben den Kunsthistoriker Ritz für den ganzenBereich der Volkskunde aufgeschlossen sein lassen. Die Bauernhaus-forschung lag ihm nicht weniger am Herzen als die religiöse Volkskunde,innerhalb derer er das Wachstum der Arbeiten von Rudolf Kriss stetsmit besonderer Anteilnahme verfolgte. Die Arbeit an den bayerischenHeimatmuseen brachte ihn zur Möbelforschung der er viele gediegeneVeröffentlichungen widmete. Ritz hat auch die österreichischen Museengut gekannt und die Arbeit in ihnen gewürdigt. Schöne Beweise für seineAnteilnahme in den letzten Jahren waren verschiedene Artikel und Be-sprechungen im Bayerischen Jahrbuch für Volkskunde" und in der Schöneren Heimat", zwei Zeitschriften, die er in all den Jahren maẞ-gebend mitbetreute. Hans Moser hat seine umfängliche Bibliographie( ohne Buchbesprechungen) zusammengestellt( Bayerisches Jahrbuch fürVolkskunde, Bd. 1960, S. 176 ff.), welche den Umfang seiner intensivenBeschäftigung mit unserem Fach aufzeigt. Das Ausmaß der Anregungen,die Ritz persönlich in Vorträgen, Führungen und Gesprächen gegebenhat, läßt sich freilich kaum ermessen. Er wird in der Erinnerung geradeals Persönlichkeit fortleben, als ein Mensch des feinsten künstlerischenVerständnisses für das von ihm betreute Gebiet.

Helmut Th. Bossert*

Leopold Schmidt

Aus Istanbul kommt die Nachricht, daß Prof. H. Th. Bossert dort im72. Lebensjahr gestorben ist. Der 1889 geborene Archäolog, der sich inden letzten Jahrzehnten vor allem der anatolischen Bodenforschung ver-schrieben hatte, bedeutete infolge seines großen Verständnisses für dasvolkstümliche Kunsthandwerk und für seine Gabe der serienweisenZusammenstellung von bezeichnendem Bildmaterial auch für die Volks-kunstforschung sehr viel. 1924 erschien Das Ornamentwerk. Eine Samm-lung angewandter farbiger Ornamente und Dekorationen" als der ersteder großen wertvollen Bildbände, die der Verlag Ernst Wasmuth inBerlin vorlegte. 1926 war es dann die großartige Volkskunst in Europa.Nahezu 2100 Beispiele unter besonderer Berücksichtigung der Orna-mentik auf 132 Tafeln, darunter 100 in mehrfarbiger originalgetreuerWiedergabe ausgewählt und mit Erläuterungen versehen. Der langeUntertitel versprach nicht zuviel. Bossert hatte das Material vieler euro-päischer Museen sehr gründlich und mit einem guten Blick für dasWesentliche angesehen. Auch das Wiener Museum lieferte damals einestattliche Zahl von guten Bildern aus dem ganzen Bereich der altenDonaumonarchie, und durch Bosserts Tafelwerk sind diese Stücke inter-national bekannt geworden. Bossert gab dann weiterhin seine große Geschichte des Kunstgewerbes aller Zeiten und Völker heraus", an derman auch nicht vorübergehen darf. Die vergleichende Forschung wird auchseine bedeutenden Bildbände über Kreta, Alt- Anatolien und Syrienimmer wieder heranziehen, wenn auch deren Abbildungsmaterial leidernicht die gleiche Qualität aufweist wie seine frühen Wasmuth- Veröffent-lichungen. Von seinen bedeutenden Leistungen für die ArchäologieAnatoliens kann hier nicht gesprochen werden; es sollte nur darauf hin-gewiesen werden, daß ein selbständiger Wegbereiter der Volkskunst-forschung von uns gegangen ist.Leopold Schmidt

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