alten Kunst zu sein, vor allem nicht in der religiösen Kunst. Da müssenRequisit“ und„ Attribut" in ihren verschiedenen Einbeziehungs- undAussagemöglichkeiten stärker herangezogen werden. Man hat ein wenigden Eindruck, als ob die Verfasserin die alten Bilder zu sehr nur inden Gemäldegalerien, außerhalb des alten Funktionszusammenhanges.sehen würde, und deshalb Ansprüche an ihre„ objektive Bildaussage"stellt, die ihrem Wesen nicht ganz gerecht werden.
Der konkretere Teil der Ausführungen der Verfasserin„ beob-achtet nun den Bildbestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungenim Rahmen der geschilderten Quellensituation". Das heißt, es wirdzunächst eine summarische Zusammenstellung der Bilder gegebenes handelt sich um insgesamt nicht weniger als 12.781- mit kurzerZu- oder Abweisung der Bestände in ihrer Bedeutung für uns. Dasteht beispielsweise der Satz„ Davon entfallen sofort als für die volks-kundlichen Belange zweifellos unbrauchbar die rund 3400 Bilder dermodernen Malerei". Ich würde es wohl nicht wagen, so summarisch vondreitausendvierhundert Bildern zu sprechen; schon wenn ich bedenke,daß wir in dem letzten Jahrzehnt eine ganz eigene„ Neue Galerie“aufgebaut haben, die nur moderne Bilder von volkskundlicher Bedeutungenthält. Vom Standpunkt der„ Historischen Bildquellen", oder der„ Bild-quellen zur historischen Volkskunde" mag man ja vielleicht so schrei-ben können; wer sich mit„ Gegenwartsvolkskunde" beschäftigt, wirdanders davon denken.
Der positive Teil der Ausführungen setzt dagegen mit dem sicher-lich richtigen Satz ein„ An der Spitze des Interesses steht wohl dieAltdeutsche Malerei, die hier in München, was Quantität und Qualitätbetrifft, eine Sammlung von höchstem Rang bildet". Nach einer kurzenÜbersicht der anderen Bestände folgt nun auch eine kleine Liste mitkonkreten Angaben, die wir angesichts unserer eigenen Galeriestudienmit besonderem Interesse zur Kenntnis nehmen. Es sind darin dieGebiete: Haus und Hof; Möbel; Gerät; Sitte und Brauch; Gebärde;Volksglauben, gruppenweise berücksichtigt. Als Beispiel wählen wir dieAngaben über„ Gerät“ aus:
Hans Leonhard Schäufelein( um 1480-1539/ 40, Nördlingen), Kreuz-anheftung geschwänzter Hammer, Zange, Korb. Inv. Nr. HG 925.Hans Holbein d. A.( 1465--1524. Augsburg). Walther- Epitaph
Körbe. Inv. Nr. 4681.
Frans Snyders( 1579-1657, Antwerpen), Obst- und Gemüseladen.Körbe. Inv. Nr. 4278.
Meister der Pollinger- Tafeln, 1444, Verkündigung
Inv. Nr. 6247.
Hausgeräte.
Giacome da Ponte, gen. Bassano( 1515-92), Venedig, Bassano), Ver-kündigung an die Hirten- Milchgeräte. Inv. Nr. 6247.Derselbe, Kornernte
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Erntegeräte, Arbeitsweise. Inv. Nr. 2300 9).Das ist alles über das alte Gerät, und wie man sieht, ist es garnicht sehr viel. Dabei ist schon Handwerksgerät einbezogen. Manmöchte meinen, daß bei einer Durchsicht der Depotbestände doch nochmehr zu entdecken sein müßte: In der Alten Pinakothek, diefür die normale Anschauung in erster Linie in Betracht kommt, sindnur etwa 760 Bilder ausgestellt, vom Gesamtbestand der oben er-wähnten 12.781 Bilder befinden sich nicht weniger als 5000 im Depot.Umgekehrt ergibt aber die Autopsie der ausgestellten Bestände, wieich sie im Herbst 1958 durchführen konnte, daß auf den Bildern schon
9) Gislind Ritz, wie Anmerkung 6, S. 148.
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