Jahrgang 
62 (1959) / N.S. 13
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wurde. Im Balladenwerk des Deutschen Volksliedarchivs in Frei-burg/ Breisgau, Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien, ist alsNr. 3 eine Brautfahrtballade unter der Überschrift Brautwer-bung" behandelt, für die aus dem deutschen Sprachgebiet lediglichvier Fassungen, und zwar alle aus der Gottschee in Südslawienvorliegen. Die Kommentierung dieser Texte folgte der bekanntenLiteratur: Adolf Hauffen, Die deutsche Sprachinsel Gottschee.Graz 1895; Hans Tschinkel, Ms. der Gottscheer Lieder; vor allemaber Martha Kübel, Das Fortleben des Kudrunepos. Leipzig 1929.Alle sahen wohl innerhalb der 200jährigen nachweisbaren Ge-schichte des Liedes Verbindungen zur slawischen Überlieferung,schon auf Grund des Heldennamens Zekulo. Doch schloß sichauch das Balladenwerk Martha Kübel in der Annahme einerdirekten Beziehung der Gottscheer Ballade zur Hildeepisode desGudrunliedes an, also einer Herleitung aus dem altdeutschenSagengut. 1941 nun revidierte Erich Seemann, der Mit-herausgeber des Freiburger Balladenwerkes, selbst die dort ge-machten Angaben in einer Untersuchung 48), die mit einem Schlageaus der Enge des vorwiegend auf deutsche Belege gerichtetenForschungsweges in die Weite der europäischen Traditionsweltführte und auf diese Weise erst den wirklichen Zusammen-hängen im Entwicklungsgang unserer Ballade nachzuspüren ver-mochte. Hauffen hatte wohl auf die Verwandtschaft zu Herders,, Schöner Dolmetscherin hingewiesen, aber die bei Miklosich imUrtext angegebene slawische Variante übersehen; Martha Kübelaber verzichtete in ihrer Untersuchung überhaupt auf jeglicheHeranziehung des slawischen Volksliedes. So blieb es Erich See-mann vorbehalten, aus seiner profunden Kenntnis der ost- wiewesteuropäischen Folklore den Rahmen zu bauen, in den dieGottscheer Ballade hineingehört. Statt der früher angenommenen.allzu simplen Linie vom Gudrunepos zum deutschen Gottscheer-lied entwirft er das wirklichkeitsgetreue Bild eines Hin- undHerflutens von Motiven und Einzelzügen über Volks- und Landes-grenzen hinweg. Aus einem so entstandenen Gemeinbesitz be-stimmter Kernmotive resultierte dann das Repertoire beliebterRequisiten, mit denen der Sänger oder Erzähler souverän umzu-gehen in der Lage war, und es wird klar, daß der Sänger derGottscheer Ballade, auch wenn wir von einer slowenischen Vor-lage absehen,( sie) keineswegs ausgerechnet über die Hildesagekennengelernt haben muß. Wie hier ein international ungemeinstark verbreiteter Erzählstoff aufgegriffen und zum Lied ge-

48) Erich See mann: Die Zekulo- Ballade und die Ballade von der..Brautwerbung"( Jb. f. Volksliedforschung Bd. VII. 1941. S. 12-30).

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