Jahrgang 
62 (1959) / N.S. 13
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Gründen( Sprache, Schrift, Gewohnheiten) in Zweifel zog undzieht und die Bezeichnung Ungar" gleichermaßen für Magyarenund Ungarndeutsche anwendet( S. 71). So sieht sich besonders dieältere Generation ganz auf ihre Eigenheit gestellt, hält diemagyarische Sprache in Ehren und gedenkt der ungarischenHeimat( S. 70, 76). Wir können diese Angaben aus eigenerBeobachtung voll bestätigen. Meine Gewährsfrau Anna Klem,jetzt Lengenfeld in Sachsen, erzählt mir ohne Bedenken, daß sievon den Leuten im Hause nur die alte Ungarin" genannt würde,und die 76jährige Frau Eva Ferner, jetzt Wernesgrün im Vogt-land, berichtet, daß wir ungarische Leit" eben anders kochenund essen als die deitsche Leit dort an ihrem neuen Wohnort.Der Schicksalsbericht einer Mözser Schwäbin möge als wei-teres Selbstzeugnis des Sprachinseldeutschtums die Frage nachderen eigentlicher Heimat" beantworten. Die damals 22jährigeLisi Rikker war 1947 mit ihren Eltern ebenfalls aus ihremGeburtsort Mözs verwiesen worden, und die ganze Familie hattedann im Kreise Auerbach im Vogtland bei sehr freundlichenMenschen Aufnahme und erträgliche Lebensbedingungen gefun-den. Der handwerklich geschickte Vater fand in der Möbel-tischlerei des Hausherrn eine ihn befriedigende und gut bezahlteArbeit, und Mutter und Tochter, anpassungsfähig, sauber undfleißig, hatten auch bald Gelegenheit zu kleinen Einnahmen mitFeld- und Hausarbeit, mit Spinnen und Nähen. Aber das Mädchenkonnte sich nicht eingewöhnen. Nach wenigen Wochen quoll ihr,wie sie sagte, der Bissen im Munde; sie konnte nichts essen undmußte nach Haus, wenn sie, wie sie beteuerte, nicht sterben sollte.So machte sie sich, wie immer in ihre Mözser Tracht gekleidet,mit drei oder vier Mözser Bekannten auf den Weg, überquertewährend einer wochenlangen Reise in den damaligen ungeord-neten Zeiten ohne Paß vier Grenzen und kam im Winter 1947/48wieder in Mözs an. Hier versteckte sie sich zuerst bei Verwandten,die daheim hatten bleiben dürfen, erhielt aber dann bald, nichtohne die Fürsprache der alten ungarischen und slowakischenNachbarn, die legale Aufenthaltserlaubnis. Nun ging sie zweiJahre lang als Arbeiterin in die Szekszárder Käsefabrik, bis sieauch ihren Eltern, denen es wirtschaftlich im Vogtland durchausgut ging, den Zuzug beschaffen konnte und die Familie baldwieder in Mözs vereint war. Hier behalf man sich zunächst inbedrängten Wohnverhältnissen; einen Teil der persönlichen Habe( ausgesticktes Bettzeug, Bettstellen, Spiegelbilder u. a. m.) hattengute Freunde sichergestellt; von dem Verdienst der letzten Jahrekonnte man ein wenig Acker pachten und ein Pferd kaufen. Vor

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