deutschen„ Urheimat“ und den von der späteren Kolonisten-heimat.
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit hatten wir bereits die lang-jährige Vorliebe der Volkskunde für jene Themen erwähnt, diedas„ Altgut“ der Sprachinseln und dessen Beziehungen zu denUrsprungslandschaften zum Inhalt haben. Solcher Vorliebe istman, wie wir sahen, auch heute im allgemeinen treu gebliebenund pflegt über der Freude an den altartigen Stoffen gerne zuvergessen, daß es sich dabei doch nur um einen Teil des in seinerlebendigen Gesamtheit zu untersuchenden Kulturbesitzes unsererSiedlergruppen handelt. So entstand und entsteht vielfach der Ein-druck, als wären die Hauptkennzeichen von Volksgut undWesensart der Sprachinseldeutschen die Gleichheiten mit derUrheimat, ein Eindruck, der durch die Titel des einschlägigenSchrifttums verstärkt wird 3). Und unwillkürlich nimmt, wennwir wiederum die Donauschwaben herausheben wollen, das Bildvom„ großen Schwabenzug" Gestalt an, von jenen tapferendeutschen Kolonisten, die auszogen, um im Auftrag des ReichesDeutscher Nation aus der von den Türken verwüsteten Steppeeinen blühenden Garten zu machen zu Nutz und Frommen derihnen kulturell weit unterlegenen dort ansässigen Völkerschaften!
Nun wird kein ernsthafter Forscher, welcher Nation er auchangehören mag, die große Leistung der deutschen Siedler für denwirtschaftlichen und kulturellen Aufbau der ost- und südost-europäischen Länder anzweifeln oder in Frage stellen. In Fragezu stellen ist nur die Deutung dieser Leistung als einer nationalendeutschen Tat. Die historische Wirklichkeit lehrt uns, daß jeneersten Siedler nach den Türkenkriegen keineswegs als Vorreiterdes Reiches kamen und im Bewußtsein eines Kulturauftrages derNation. Sie waren im allgemeinen Gesinde, Kleinbauern undHandwerker, ,, Menschen, die daheim wenig zu verlieren unddraußen viel zu gewinnen hatten“, ohne jedes wirkliche National-gefühl 37). Sie kamen fast nie aus einem einzigen Mutterdorf,bei den frühen Werbungen der privaten Grundherren wenigstensaus einer Landschaft, später in buntester Mischung, wie derTransport sie zusammenballte 38). Und diese Einzelnen nun wieder36)„ Ein Odenwälder Dorf im rumänischen Banat“;„ Urheimat undKolonistendorf" u. a.
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37) Kuhn, Sprachinselforschung, S. 239.
38) Ebda, S. 252; vgl. dazu Heinrich Réz, Bibliographie zur Volks-kunde der Donauschwaben. Budapest 1935, S. 14-47. Schlagende Belegebringt unbeabsichtigt E. Maenner( a. a. O.) mit seiner sorgfältigensippenkundlichen Erforschung der vom Odenwald ins Banat auswan-dernden Familien; es werden S. 55 nur als Hauptursprungsortschaftenfür Guttenbrunn bereits 7 Odenwälder Gemeinden angegeben.
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