wie wurde aus solchen Bestandteilen ein Haus und aus dem Hausdas Gehäuse eines Familienlebens? Mit seinen drei Unterschei-dungselementen hat Jungbauer das fiktive Bild eines säuberlichaufteilbaren Volkslebens geschaffen, aus dem sich der Forscherjeweils das Stück herausschneiden kann, das seinen wissenschaft-lichen und weltanschaulichen Zielen am meisten zusagt. Bis zumheutigen Tage nun wurde am liebsten zum„ Altgut“ gegriffen.Eine solche Wahl hat zweifellos in vieler Hinsicht ihre wissen-schaftliche Berechtigung, finden sich doch in den deutschen Sprach-inseln in ihrer Eigenschaft als kulturelle Rückzugsgebiete 5) wohl-bewahrt zahlreiche Relikte alten Traditionsgutes, die zur Erhel-lung von Entwicklungszügen vor allem in Sprache und Volks-dichtung dienen und die Kenntnis vom Überlieferungsbesitz ein-zelner deutscher Landschaften, aus denen die Auslandsdeutschenursprünglich stammten, wesentlich zu erweitern vermögen. Dasist die Zielsetzung, mit der heute die Sammlung des vergehendenererbten Volkswissens bei den ausgesiedelten Ost- und Südost-deutschen von einer Reihe von Forschern, besonders von Johan-nes Künzig), auf das fruchtbarste und mit schönsten Ergeb-nissen vorangetrieben wird.
Doch auch hier schwang und schwingt häufig neben der wis-senschaftlichen Entdeckerfreude der nationale Stolz auf diewackeren Landsleute mit, die dort auf ihrer„ Sprachinsel“, alsoinmitten eines sie feindlich umbrandenden Meeres 7), deutscheArt und deutschen Sinn bewahrt haben. Und diese Empfindungwurde genährt durch die Vokabel von der„ fremdvölkischen Um-welt", die bis heute zum eisernen Wortschatz jedes sich mit Aus-landsdeutschtum befassenden Volkskundlers gehört. Da hier nichtim einzelnen auf die einschlägige Literatur eingegangen werdenkann, möge ein Hinweis auf Walter Kuhn genügen, dessenmethodisches Handbuch zweifellos in starkem Maße auf dieSprachinselforschung einwirkte. Seine vielen nützlichen Beobach-tungen in dem uns hauptsächlich interessierenden Abschnitt überdie ,, Formen wandlungen“( S. 236-321) müssen notwendig Stück-
5) Ausführlich bei Kuhn. Sprachinselforschung, S. 259-264:„ Be-
harrung6) Johannes Künzig, Urheimat und Kolonistendorf. Ein methodi-disches Beispiel der gegenseitigen volkskundlichen Aufhellung( Jb. f.Vkde d. Heimatvertriebenen Bd. II, 1957, S. 103-140).
7) Kuhn, a. a. O., S. 13 f., wo er das Bild der„ Sprachinseln" breitausmalt, von denen die gierige Flut Stück für Stück losnagt" usw. usw.Das Wort tritt zuerst bei der Sprachforschung in der Mitte des 19. Jhds.auf und zwar im Zusammenhang mit deutschen Außensiedlungen Ober-italiens als Rückzugsgebieten der Sprache( vgl. A. Schott, Die deut-schen Kolonien in Piemont. Stuttgart 1842).
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