wanderungen und den daraus resultierenden volkskundlichen undsoziologischen Zwangswandlungen der deutschen Volkskunde einneues weitläufiges Feld, bei dessen dringlicher Erforschung esverständlicherweise nicht ohne starke Gefühlsbeteiligung abgingund die sachliche Ebene der objektiven Betrachtung und Erkennt-nis zuweilen verlassen wurde. Und doch hätte eigentlich jedemanteilnehmenden Beobachter und erfahrenen Sprachinselforscherbeim Miterleben der Ereignisse unserer jüngsten geschichtlichenVergangenheit die unheilvolle Rolle deutlich werden müssen, inder auch viele Vertreter der deutschen Volkskunde an der großenTragödie des Ost- und Südostdeutschtums mitgewirkt haben 4).Die folgenden Seiten wollen darum als ein Versuch verstandensein, sich als Volkskundler aus jener heillosen und unseligen Ver-strickung zu lösen, die unser Fach schon allzuoft häufig inbestem Wollen mit einer unrealen, politisch bestimmten Ge-fühlswelt eingegangen ist, einer Verstrickung, die gerade auf demGebiet der Sprachinselvolkskunde oft zu verzeichneten, ja fal-schen und für die nichtdeutschen Umvölker sehr kränkenden Er-gebnissen führte. Hat sich der deutsche Forscher erst einmal zurÜberwindung jener althergebrachten und ohne Überlegen geübtennationalistischen Blindheit entschlossen und sehenden Blickes dieWirklichkeit des Volkslebens in den Sprachinseln aufgenommen,so wird er sich bald beglückt auf weitem, reichen Ausblick be-scherendem Feld wiederfinden, wo auch er seinen Teil zu einereuropäischen Volkskunde beitragen kann.
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Lebensumkreis der Sprachinsel
Jungbauer hatte in seiner methodischen Untersuchung( a. a. O.,S. 145) beim Volksgut der Sprachinseln unterschieden zwischenAltgut( das aus der alten Heimat mitgenommen wurde). Neu-gut( das entweder selbstgeschaffen oder von der Oberschicht dereigenen Sprachinsel, wenn eine solche vorhanden war, oder aufUmwegen von der Oberschicht des Gesamtvolkes übernommenwurde) und Lehngut( das aus gleichvölkischen Nachbarinselnoder aus der„, fremdvölkischen Umwelt" stammt). Diese Differen-zierung ist so richtig wie etwa die Feststellung, daß ein Bauern-haus aus Grundriß, Wandkonstruktion und Dach besteht. Doch
4) Hingewiesen sei hier auf das Buch des BatschkadeutschenJohannes Weidenheim, Treffpunkt jenseits der Schuld( Gütersloh1956), in dem er versucht, die letzte Vergangenheit seines großen viel-sprachigen Heimatdorfes an der serbisch- ungarischen Grenze von denverschiedensten Blickwinkeln aus vorurteilslos zu zeichnen; siehe beson-ders die Darstellung der deutschen Ansiedlungsfeier des Batschka-dorfes S. 307 ff.
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