Titel führte:„ Die Stiefmütter, die Stief- und Waisenkinder inder siebenbürgischen Volkspoesie.“ 13)
Aber nichtsdestoweniger befaßte sich Haltrich auch mit denSpäßen und Schwänken und belustigenden Aussprüchen desVolkes. Aber sein Hauptanliegen fand er doch in den ernstenSchöpfungen des Volkes, die dann in die Tiefe gehen.
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Die enge Beziehung der Freunde untereinander, der regeGedankenaustausch erlaubt den Schluß, daß Haltrich oft das tatund fühlte, was Schuster vielleicht als Dichter der Gewandtereim Aussprechen seelischer Antriebe auch sagte: sie suchten dasReine", das von der„ bösen Cultur" noch nicht Angetastete. Abersie suchten nicht einen völligen Naturzustand, den Ursprung derMenschen in der Nähe des Tierreichs, sondern gerade das Andere,nämlich einen unangetasteten und reinen Seelenzustand undseelische Erfülltheit. Sie glaubten, ihn auf dem Dorf bei den un-verbildeten Menschen zu finden: die„, sächsische Innig-keit". Sagt doch Schuster:„ Vor allem liebe icht die( Märchen)von der Stiefmutter und von den Armen; hier auf diesem Gebieteist die sächsische Innigkeit auch die der Volklieder unübertreff-lich."
Damit bekunden diese Forscher ihr innerstes Anliegen: siewollen nicht Vernunftgründe, sie wollen auch nicht schulmeister-liches bloßes Wissen; sondern eine reine, vortreffliche Gesittung,die sich als Herzensbildung kundtut.
Die böse Cultur" ist demnach das, was später als veräußer-lichte ,, Civilisation“ genannt wurde, ohne rechte Herzensbildung.
Nun, sind aber gerade die alten sächsischen Lieder nichtsanderes als Urkunden dieser Herzensbildung, aber auch diesächsischen Märchen sind Aussagen einer Gesittung, die eindeutig..rein“ ist, ohne Künstelei. Adolf Schullerus sagt daher überdie sächsischen Märchen:„ Es mag die Bemerkung nicht über-flüssig sein, daß die Auswahl aus dem Märchenschatze( der Welt)
die vielverbreiteten Wunder- und Abenteuermärchen ver-meidet und denen den Vorzug gibt, die in leichtverständlicherZuspitzung dem Bösen die Strafe, dem Guten den Lohn, aushar-render Liebe und Treue die Erreichung des Zieles gewährt.“ 14)
Aber dies sind nicht Merkmale und Eigenheiten des Ver-standes, des Kopfes, sondern solche des Gemütes, des Herzens,freilich auch des Willens und damit der gesamten Wesenheit.
13) J. Haltrich, Die Stiefmutter, die Stief- und Waisenkinder inder siebb.- sächs. Volkspoesie. Wien 1856.
14) A. Schullerus, Unsere Volksdichtung. In: Bilder aus derKulturgeschichte der Siebb.- Sachsen. Bd. 2. Hermannstadt 1928, S. 191 f.
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