war etwas überhöht, so daß der klare Blick für die Wirklichkeitder Tatsachen dann einen leichten Schleier zeigte, so daß die viel-fachen Ansätze, das künstlerisch Erlebte nun wissenschaftlich zugestalten, oft unzulänglich blieben, oder übertrieben waren, etwadie Rückführung mancher Erscheinungen auf die alten Götter-sagen( Schuster) oder das vergebliche Bemühen Haltrichs, dassächsische Wörterbuch voranzutreiben.
Aber alle diese Forscher hatten den unbestechlichen Blick fürdas Volkstum und seine Äußerungen. Sie hatten gerade das, wasder vernunftgeschwängerte und aufgeklärte städtische„ Bürger"oder„ Literat" nicht hatte und in seiner Blindheit nicht sah: daskünstlerische Schaffen des Volkes, die namenlose Kunst derUngenannten.
Damit aber bezeugten sie die Abkehr von einem Bildungs-dünkel, den die lateinisch geprägte Bildung erzeugt und zurAbsonderung vom Volk geführt hatte, und stellten dagegen dieganze Fülle einer gewachsenen Gesittung des Volkes, die nichtweit hergeholt werden mußte, sondern selbst in den einst unter-tänigen Dörfern des Zeckeschgebietes in Fülle vorhanden war.
Hieß es doch schon 1523 am Lehrergestühl der SchäßburgerBergkirche:
Wer in dus gestül will stan
und nit Latyn reden kan
der solt blyben daraus,
dass man ym nit mit kolben laus. 11)
Neben dieser Kirche aber, in der Bergschule, schrieb derMärchenforscher Haltrich zwischen seine Märchenaufzeichnungendas Lied:
„ Das Waisenmädchen im Unmut.Hischet Medche bän ich.wesche, båcke kån ich,Flidderfronsen dron ich.åf der Gåss gohn ich,wi mich sejt, di wil michnoch nichen Deiwel nit mich.denn e Wiske bän ich." 12)
Es nimmt nicht wunder, wenn, mit dem Blick der„ Literaten“und„, Honoratioren“ gesehen, die breite Schicht des Volkes dasWisken“ war und wenn Schuster gerade von der Volksinnigkeitin den Waisenliedern und Waisenmärchen ergriffen wurde, jawenn Haltrich 1856 geradezu eine Abhandlung schrieb, die den
11) J. Haltrich- J. Wolff, Zur Volkskunde der SiebenbürgerSachsen. Wien 1885, S. 472.
12) Schachtel 109.
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