Jahrgang 
61 (1958) / N.S. 12
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Was ist von diesen altartigen und in sehr tiefe Schichtenhinabreichenden Elementen noch lebendig? Neben Leuten, diegar keine religiösen Bilder wünschen und aufhängen und solchen,die sie nur aus Gründen der Erinnerung an ihre Kindheit unddas Elternhaus besitzen, steht eine nicht geringe Anzahl, beidenen die Aufstellung im Sinn der biedermeierlichen Andachts~kommoden noch in Funktion ist. Allerdings gehören diese Be-fragten der ersten Großstadtgeneration an. Häufiger ist dieAnbringung von religiösen Bildern über den Ehebetten, wobeirein ikongraphisch die Muttergottes von Czenstochau, die Maria-zeller und die Mariahilfer Muttergottes auftreten. Das Mario-logische überwiegt bei den Andachtsbildern überhaupt.

Neben dieser Verbindung zwischen Andachtssphäre undSchlafsphäre steht die Funktion des Schlafzimmers als familiäresSchatzbehältnis". Heute noch hat in allen Fällen die Näh-maschine ihren Ort im Schlafzimmer, in vielen Fällen wird dasFamiliensilber ebenfalls dort untergebracht, während alle deko-rativ- repräsentativen Wertgegenstände dem Wohn- Speisezimmerals Ort der Repräsentation vorbehalten bleiben.

Zusammenfassend läßt sich zu den Wohnsphären feststellen,daß die Aufteilung durchaus traditionell ist. Neuerungen inBezug auf Kombinationen einzelner Sphären in einem Raumwerden relativ selten übernommen. Selbst wenn Wohnküchenvorhanden sind, besteht daneben ein repräsentatives Wohn-Speisezimmer. In der Ausgestaltung der einzelnen Sphären er-scheint die Schlafsphäre mit der seit Anfang des 19. Jahrhun-derts in unseren Gebieten üblichen Art der Aufstellung der Ehe-betten am traditionellsten. Sogenannte Kombimöbel" wie Eck-sitzbänke als Schlafgelegenheiten erscheinen zwar öfters imWunsch, jedoch sehr selten im tatsächlichen Gebrauch; dochgerade solche Feststellungen müssen mit äußerster Vorsicht auf-genommen werden. Die repräsentative Wohnsphäre zeigt häufigVermischung verschiedener historischer Elemente, doch scheintsich die Negierung des repräsentativen Mitteltisches durchzu-setzen. Auch gewisse Einflüsse von seiten norddeutscher Wohn-gepflogenheiten, z. B. der Eckkamin als Zeichen bürgerlich ver-standener Repräsentation, sind anzutreffen. Nach wie vor aberist die Wohn- und Eẞsphäre der Ort der Repräsentation. Es istnur eine Frage der sozialen Abstufung, ob sie sich in einer ge-füllten Vitrine, in Ölgemälden oder in Öldrucken, Pölstern undNippesfiguren äußert.

Mit der Erscheinung der einzelnen Sphären hängt ihre überdie Möbel hinausgehende Ausstattung, Ausmalung,

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