Jahrgang 
61 (1958) / N.S. 12
Einzelbild herunterladen
 
  

Für die Wohn- und Eßsphäre war in der Stadtkultur seiteh und je die Repräsentation charakteristisch. Wie die Befragunggezeigt hat, erscheint auch heute noch einem großen Teil derBefragten das Ölgemälde für das Wohn- Speisezimmer( z. T. ausrepräsentativen Gründen) unerläßlich.

Die Schlafsphäre ist im Hinblick auf die heute alstraditionell erscheinende Form: Ehebetten mit den Schmalseitenan der Hauptwand, beiderseits von Nachtkästchen flankiert, vorden Ehebetten Sitzgarnitur mit Tischchen, an einer Wand diePsyche etc., nicht leicht abzuleiten. Abgesehen von den mittel-alterlichen, meist wandparallelen Bettformen ist bis auf dierepräsentative, vor allem feudal- barocke Gepflogenheit, das Bettin den Raum zu stellen, die wandparallele Stellung des Bettesin Nische oder ohne Nische durch Jahrhunderte die übliche. DieseArt der Stellung entspricht auch heute noch der bäuerlichenÜbung. Eine Änderung hat erst in England am Ende des 18.Jahrhunderts stattgefunden, und zwar in den Gastzimmern, dieBaldachinbetten und auch solche ohne Baldachin in jener obengeschilderten Stellung aufweisen. Hier wurde m. W. erstmaligdiese für die spätere Zeit so wichtige Stellung des Bettes wahr-scheinlich aus praktischen Gründen entwickelt. Mit dem Einflußdes englischen Möbelstils auf das entstehende Empire griff auchdiese Gepflogenheit auf das Festland über und bildete im Em-pirestil den für die weitere Entwicklung typischen Stellplan deszweibettigen Schlafzimmers aus. Selbstverständlich ist diese Artder Stellung auch noch in dem vom englischen Möbelstil beein-flußten Biedermeier beibehalten worden. Auch die historisieren-den Stile der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hielten in dieserHinsicht die Tradition des Biedermeierstellplanes aufrecht. Selbstim Jugendstil hat sich an der typischen Stellung und Konzeptiondes Schlafzimmers kaum etwas geändert, um so mehr, als be-wußte Rückgriffe auf das Biedermeier für ihn charakteristischsind.

an.

Einer viel älteren kulturellen Schicht gehört die Verbindungder Schlafsphäre mit der Andachtssphäre und mit demAufbewahrungsort der beweglichen FamilienreichtümerDieses Phänomen ist seiner Herkunft nach nicht unbedingt bäu-erlich. Der Hausaltar des städtischen Barock wurde von der Auf-klärung verdrängt. Seine Funktion übernahmen im Biedermeiereine entsprechende Dekoration des Bettes und der Kommode,deren Staffierung in Anlehnung an die Altardekoration entwederunmittelbar religiösen Charakter oder durch die Aufstellung vonFamilienbildern den Charakter eines Altars der Pietät gewann.

200