ihn ist die Summierung der einzelnen„ Wohninseln“): entlangder Wände sind unter Freilassung der Mitte z. T. völlig asym-metrisch Gruppen einzelner Möbelstücke angeordnet, die ihreGruppierung durch ihre auf den Menschen bezogene Funktionerhalten. Typisch und auch für die weitere Entwicklung wichtigist die Funktion des Fensterpfeilers, vor dem die Kommode mitder Uhr steht, über der der Spiegel hängt wobei die Erinne-rung an den französischen Kamin mit seiner wandgliederndenFunktion sicher eine Rolle gespielt haben dürfte. Den funk-tionellen„ Mittelpunkt" des Biedermeierwohnzimmers bildet.aber die monumentale Sitzgarnitur.
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Die Tradition dieser Wohngepflogenheiten ist, wie sich ausden Wohnungsbegehungen eindeutig ergeben hat, nicht abge-rissen, sie ist nur im Lauf der historischen Entwicklung im 19.Jahrhundert überdeckt worden. Die Wiederbelebungen derhistorischen Stile seit der 2. Hälfte des Jahrhunderts brachtenauch eine Wiederbelebung des repräsentativen Mitteltisches fürdas Wohnzimmer, während er für das Speisezimmer aus prak-tischen Gründen eigentlich ohne Unterbrechung weiter tradiertwurde. Selbstverständlich ist wegen der engen Wohnverhältnissedie Trennung in Wohn- und Speisezimmer in Wien nie durch-gehend erfolgt. Bei der Betrachtung eines heutigen Wohn-Speisezimmers mit einer gewissen repräsentativen Funktion wirdalso auf das Nachleben gewisser biedermeierlicher Züge, wie derdekorativen Ausnützung eines Fensterpfeilers oder einer monu-mentalen Sitzwand- bzw.-ecke zu achten sein, wobei nicht immerdie ungebrochene Tradition seit der Biedermeierzeit, sondernauch die Einwirkung der„ Renaissance" des Biedermeier seit demAnfang unseres Jahrhunderts, seit dem Jugendstil und bis heute,maßgebend ist. Die Nachwirkung der historischen Stile, vorallem der Renaissance und ihrer Wiederbelebung im 19. Jahr-hundert, läßt sich im repräsentativen Mitteltisch, der fast immermit einer entsprechenden Mittelbeleuchtung verbunden und oftmit einem Teppich bedeckt ist, fassen. Die Prinzipien der obengeschilderten Wohnzimmergestaltung finden sich selbst in außer-ordentlich beengten Wohnverhältnissen, in denen in Abwand-lung des biedermeierlichen Fensterpfeilermotivs die Kommodezwischen zwei Kästen gestellt und dadurch das Element desrepräsentativen Wohnzimmers wenigstens für eine Wand gültiggemacht wird.
5) Vgl. dazu F. Klauner, Der Wohnraum im Wiener Bieder-neier, ungedruckte Dissertation, Wien 1941, und D. Heinz, LinzerTeppiche, Wien 1955, S. 51 ff.
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