Dinge nun als Nachleben einer tradierten Stadtkultur oder alsWiederbelebung im Sinn der historischen Stelle anzusehen. EineEntscheidung ist besonders schwer, wenn man bedenkt, daß dieVorstellung der bäuerlichen Zuzügler im wesentlichen vom klein-bürgerlichen städtischen Ideal des 19. Jahrhunderts geprägt wird.Eine Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch die sogenann-ten„ Bauernstuben", deren Wurzeln im sentimentalischen Alpi-nismus der Zwanzigerjahre unseres Jahrhunderts zu sehen sind,dessen Vorstufen jedoch schon in Hof- und Adelskreisen in der2. Hälfte des 19. Jahrhunderts festgestellt werden können.
Wie eingangs erwähnt wurde, ist zur Untersuchung die Auf-teilung der Wohnung in einzelne funktionelle Sphärennotwendig, die selbst in den kleinsten Wohnungseinheiten vor-handen sind. Historisch gesehen ist in der Stadtwohnung dieseTrennung zwischenen Wohn-, Eß- und Schlafsphäre ineinzelne Räume erst seit der bürgerlichen Kultur der Renais-sance erkennbar, in Wien soweit man aus den erhaltenenHäusergrundrissen schließen kann in größerem Ausmaßeigentlich erst seit dem Barock. Diese Trennung in Wohn-,Speise und Schlafzimmer neben der Küche, mit besonderer Be-tonung des repräsentativen Charakters vor allem des Wohn- undSpeisezimmers, ist im 19. Jahrhundert obligat geworden und hältsich auch in den im Grundriß vollkommen anders angelegtenWohnungen mit Wohnküche in den Gemeindebauten: neben demeigentlichen Wohnraum, der dort, und zum größten Teil auch inden nicht mit einer Wohnküche versehenen Wohnungen, aus derKüche besteht, gibt es ein betont repräsentatives Wohn- Speise-Zimmer.
Das Erscheinungsbild der bürgerlichen Wohnräume hat imLaufe seiner historischen Entwicklung eine Reihe von Wandlun-gen durchgemacht. Der niederländische und deutsche bürgerlicheWohn-( und Speise-) raum des 17. und auch des 18. Jahrhundertsist durch den für die weitere Entwicklung so wichtigen repräsen-tativen Mitteltisch mit Sitzgarnitur als Zentrum des Raumes unddurch die betonte Schmuckfunktion der Kredenz gekennzeichnet.Völlig anders im Raumgefühl und auch in der Anordnung derMöbel verhält sich das Biedermeier, abgesehen davon, daß eineTrennung zwischen dem Wohn- und Speisezimmer stattfindet.Während für das Speisezimmer die traditionelle Art der Stellungdes Mitteltisches mit der Kredenz an der Wand beibehalten wird,ergibt das Wohnzimmer des Biedermeier einen ganz anders-artigen, dezentralisierten Raumeindruck. Charakteristisch für
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