Jahrgang 
61 (1958) / N.S. 12
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Von der gegenwärtigen Wohnung aus gesehen, wird es sichalso methodisch um folgendes handeln: erstens festzustellen, aufwelches historische Vorbild der tatsächliche Stellplan zurückgeht.Durch die enge Verbindung des Stellens der Möbel mit ihrerFunktion, die hierin viel mehr sichtbar wird als in ihrem Stil,kommt dem Stellplan, gleichsam der Komposition der Wohnung,ein ganz besonderes volkskundliches Interesse zu. Als zweiteswird festzustellen sein, welche Funktion die einzelnen Räumeund die einzelnen Möbelgruppen besitzen. Dies gilt natürlichauch für alle Elemente der Wohnung, die keine Möbel sind, ganzbesonders für das Bildgut. Ist es nur dekorativ schmückend undin welcher Art, oder besitzt es wie das religiöse Bildgut auchnoch tatsächliche Andachtsfunktion? Kurz: man wird die Woh-nung in einzelne, vom Menschen her gesehene, funktionelle Sphä-ren aufteilen und diese in ihrer historisch bedingten Gestalt zufixieren versuchen. Dabei wird man was ja aus anderen Ge-bieten geläufig ist oft mit weiterlebenden Formen, die ihreFunktion verloren, bzw. ihre Funktion gewandelt haben, rechnenmüssen. Ein weiteres Problem liegt darin, daß wir im Erschei-nungsbild der Großstadtwohnung mehr mit dem gesunkenenKulturgut" der Stadtkultur, als mit Elementen der bäuerlichenGemeinschaftskultur werden rechnen müssen. Dies bedeutet abernicht, daß die Untersuchung der Großstadtwohnung darumaußerhalb einer volkskundlichen Betrachtung liegt. Die altarti-gen Verhaltensweisen erscheinen hier eben in nicht allzuweitzurückreichenden stilistischen Formen, d. h. das volkskundlichInteressante liegt weniger im Möbelstil, sondern mehr in ihremStellplan und am meisten in der Funktion, die Raum und Möbelim Leben des Großstadtmenschen besitzen. Selbstverständlichwird die Tradition des bäuerlichen Erbes in Möbelstil und Stell-plan ungleich schwerer zu fassen sein, als die der historischenMöbel- und Wohnungsstile der Stadtkultur, ja man wird sehroft nur in der durch die Befragung festgestellten Funktion derEinzelmöbel oder einer Möbelgruppe die Erinnerung und dasNachleben bäuerlicher Formen finden. Dabei soll auf die Proble-matik der Beurteilung dieser nachlebenden bäuerlichen Wohn-kultur hingewiesen werden, die ja ihrerseits wieder zum großenTeil historisch ältere kulturelle Schichten, nämlich gesunkene"adelige und bürgerliche Wohnkultur aufgenommen hat.

Das Bild ist von der heutigen Wohnung aus gesehen auchdeswegen so kompliziert, weil vielfältige historische Stellformendurch die Wiederbelebungen des 19. Jahrhunderts z. T. nochheute tradiert werden und es eine Interpretationsfrage ist, diese

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