Jahrgang 
61 (1958) / N.S. 12
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Die Räume im Erdgeschoß sind hauptsächlich dem bäuerlichen undhandwerklichen Arbeitsgerät gewidmet; die Werkzeuge des Weinbausund der Weinpflege aus den Dörfern am Vogesensaum, geschnitzte Faß-böden und Faẞriegel in der Gestalt von Fischen und Delphinen, Sirenenund Bacchanten, Tritonen und Seepferdchen, Küferwerkzeug, Löyele"in kunstfertiger Ausführung, häufig Meisterstücke aus der Küferzunft,Brennstempel zum Markieren der Fässer etc., in einer Raumvertiefungdie vollständige Weinpresse. Ein zweiter Raum enthält in Sachgruppenzusammengestellt Bauerngerät: 60 Objekte illustrieren die überlieferteArbeitsweise auf Acker und Wiese, in Mühle und Molkerei. In denSälen des Stockwerkes sind die bäuerlichen( Wintzenheim am Kochers-berg) und bürgerlichen Stuben mit ihren Einrichtungen( Möbel undOfen) und den Gegenständen der Volkskunst( Keramik, Tracht undSpielzeug, untergebracht. Die religiöse, protestantische wie katholischeals auch jüdische Volkskunst erfährt in eigenen Räumen eine gruppen-mäßige Darstellung. Auf Grund des ansehnlichen Sammlungsgutes istdas Elsässische Museum in Straßburg der tragende Pfeiler der musealenPflege der Volkskunde in dieser Landschaft, eine Überarbeitung derAusstellungsmethodik würde aber sicherlich seiner Strahlungskraftförderlich sein; auch müßte sich an dieses Institut wiederum ein sobedeutendes Forschungswerk wie die Zeitschrift L'art populaire enFrance", die einst von hier ihren Ausgang nahm, anknüpfen lassen 18).

Eine kleine und in angenehmer Auflockerung dargebotene Volks-kundesammlung enthält das Museum Unterlinden zu Kolmar. Einschöner Bestand an bemalten Kasten und Truhen, die Einrichtungeines Schlafgemaches, die in einer durch Halbwände gebildeten Nischeuntergebracht ist, und Kastenvitrinen mit Trachten aus dem protestan-tischen Weißenburger Land im Niederelsaß vermögen eine Seite desObergeschosses vom Kreuzgang auszufüllen. Dieser gefälligen Abtei-lung 22 des Kolmarer Museums kommt schon die großzügige baulicheUmgestaltung zugute, welche Konservator Pierre Schmitt seit Jahrenmit Ausdauer zu führen versteht. Freilich wird diese kleine Sammlungübermachtet von den Werken der Meister Mathis Gothart- Nithart, ge-nannt Grünewald, Martin Schongauer und Kaspar Isenmann, die wäh-rend der französischen Revolution in das damals auch aufgelöste Domi-nikanerkloster Unterlinden gerettet werden konnten 19). So meldet derin zwei Sprachen aufliegende Museumsführer eben auch nur das Vor-handensein einer volkskundlichen Abteilung ohne weitere Einzelhei-ten 20). Die Gemäldesammlung des 19. Jahrhunderts, die augenblicklichwegen der Umbauten nicht zugänglich ist, enthält Werke von GustaveBrion, Alfred Pabst, besonders auch von Théophile Schuler, die wegenihren zeitgenössischen Darstellungen des elsässischen Volkslebens fürdie Volkskunde einen ausgezeichneten Quellenwert besitzen.

18) L'art populaire en France, Recueil d'études publié sous ladirection de Adolphe Riff. Strasbourg- Paris, Istra, 1929-1935.

19) Lucien Sittler, Der Isenheimer Altar. Kolmar, Alsatia, 1957.( Frz.: Le retable d'Isenheim. Id.)

20) Lucien Kübler, Das Unterlindenmuseum zu Colmar, kurzerFührer durch das Museum nebst Liste der ausgestellten Kunstwerke.Im Auftrage der Société Schongauer herausgegeben. Colmar, Alsatia,s. d.48 S., XII Tafeln.( Ebenso frz. Ausgabe.)

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