Jahrgang 
60 (1957) / N.S. 11
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Freiburg im Breisgau. die Stadt der südlichen UniversitätBadens, des Augustinermuseums und des Deutschen Volksliedarchives,bietet erfreulicherweise die Volkskunde so wie man sie hier erwartenkann. also in zureichendem Ausmaße und mit entsprechenden Spezial-einrichtungen. An der Universität lehren Erich Seemann und WilhelmHeiske Volksliedforschung von der germanistischen. Walter Wiora vonder musikwissenschaftlichen Seite her. und Johannes Künzig liest allge-meine Volkskunde. Man spürt also die enge Verbindung mit dem Volks-liedarchiv, das als eines der wenigen großen deutschen Zentralarchive sichalles erhalten konnte und heute, nach der Übernahme durch den Staat.in einem gewissen Ausbau bibliotheksmäßig begriffen ist. Wie unterJohn Meier werden auch jetzt junge Assistenten und Hilfskräfte heran-gezogen, um die gewaltigen Sammelmassen rein archivalisch zu bewälti-gen. Der Geist des Hauses ist ein guter, man spürt geradezu den Segen,der über dieser großzügigen und doch bürgerlich proportioniertenSchöpfung liegt.

Das Augustinermuseum ist ein Landesmuseum im kleinen, mit be-trächtlichen Kunstschätzen in der Kirche und im Klostergebäude. DieBestände sind wenigstens durch einen kursorischen Führer aufgeschlos-sen 2). was darüber tröstet, daß die Sammlung der ungeheizten Räumehalber im Winter eigentlich geschlossen ist. Das oberste Stockwerk be-herbergt eine eigene Abteilung Schwarzwälder Volkskunst", so daß sichhier fast ein Gegenstück zum Regensburger Museum ergibt. Die Volks-kunstsammlung mit ihren Stuben, Möbeln und Trachten ist erst seit vierJahren wieder aufgestellt. ohne sonderliche Methodik und Hilfen, auchohne eigenen Katalog, man muß sich also wieder an die älteren Volks-kunst- Publikationen halten. die ja weitgehend schon von hier geschöpfthaben 3). Aber die geschnitzten Faßböden. die Schwarzwälder Uhren.die Votivbilder. die guten bemalten Möbel stellen zusammen doch einenbeachtlichen Bestand dar. wie er als Kern eines echten Volkskunde-museums vorhanden sein muß. Die Kulturhistorische Abteilung zeigtaußerdem noch Wirtshausschilder und die für den Oberrhein so charak-teristischen gußeisernen Ofenplatten 84), so daß man den Bestand wohlzu schätzen weiß. Freiburg bietet da doch das einzige Gegengewicht zujenen Sammlungen, die jenseits der Reichsgrenze locken, vor allem dasSchweizerische Museum für Volkskunde in Basel. Das hat aber freilicheine ganz andere Funktion, man sollte es nicht in gleichem Atem mit denlandschaftlichen Sammlungen in Süddeutschland nennen 85).

Freiburg hat noch andere Möglichkeiten der Intensivierung seinesVolkskunde- Betriebes. Johannes Künzig leitet die Badische Landesstellefür Volkskunde, im gleichen Haus untersteht ihm auch die Zentralstelle

82) H. Gombert, Schätze im Augustinermuseum. Freiburg imBreisgau( 1956).

83) Hermann Eris Busse. Baden( Deutsche Volkskunst, Bd. XIII).München 1935.

84) Man mag da etwa in das Fricktaler Heimatmuseum in dieSchweiz hinübergrüßen: A. Senti. Das Fricktalische Heimatmuseum inRheinfelden. Eine Einführung. Frick 1955.

85) Vgl. Zur Eröffnung des Schweizerischen Museums für VolkskundeBasel. 9. Mai 1955( Sonderdruck). Basel 1955, insbesondere den Haupt-beitrag von Robert Wildhaber. Die Neuaufstellung des Schweize-rischen Museums für Volkskunde in Basel, S. 11 ff.

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