Jahrgang 
60 (1957) / N.S. 11
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bibliothek vorstellen könnte. Westlichster und östlichster Stadtpfeiler derFränkischen Welt stehen da vor den gleichen Problemen.

Mit den kleineren Museen im Moselgebiet steht es noch nicht gut.Die gewaltige Neuschöpfung des Landesmuseums in Trier benimmt denbescheidenen Heimatmuseen vielleicht ein bißchen die Lebenslust. Sohatte das Weinstädtchen Bernkastel ein Heimatmuseum, das für dieGegend selbstverständlich wichtig war. Der Krieg hat es zerstört, dieObjekte sollen weitgehend entwendet worden sein. Gerade angesichtsdes Fehlens eines Weinmuseums in Trier würde aber Bernkastel eineeigene Aufgabe erwachsen. das Weinbäuerlich- Volkskundliche örtlichherauszustellen.

Von der Mosel die Saar aufwärts erschließt sich das Saargebiet.das in früheren Jahrzehnten manche gute volkskundliche Bearbeitunggefunden hat 68). Die letzten Jahrzehnte mit Krieg und Besatzung habennicht förderlich gewirkt. Das Land an der Saar hat die Nachkriegsent-wicklung in Westdeutschland nicht mitgemacht. So nimmt es nichtwunder, daß man weder an der Universität noch am Museum in Sa a r-brücken die Volkskunde berücksichtigt findet. Das Saarland- Museum,in einem hübschen historischen Gebäude untergebracht. wird etwaserweitert. Es ist aber hauptsächlich auf Kunst und Kunstgewerbe derRokoko- Zeit eingestellt. da lebt jene kurze kurfürstliche Blütezeit derStadt nach, die mit dem gewaltigen industriellen Aufschwung des Landesim letzten Jahrhundert so wenig zu tun hat. Die schöne Sammlung vonGußeisen- Ofenplatten erinnert daran, daß wir uns dem oberrheinischenVerbreitungszentrum dieser volkstümlichen Handwerkskunst nähern.Die Porträts und Möbel der Hauptsammlung sind noch durch keinenKatalog erschlossen.

Die junge Universität Saarbrücken. wie die Mainzer in einerKaserne untergebracht. ist eine Gründung der Besatzungsmacht unddaher lange Jahre ohne richtige landschaftliche Verwurzelung. Die Ziel-setzung als Europäische Universität ließ keine örtliche Bindung zu. vonVolkskunde ist daher nicht die Rede. Die Altgermanistik wird zwar zurZeit von einem geschulten germanistischen Volkskundler vertreten,nämlich von Hugo Moser. doch ist eben die Volkskunde selbst hier nichtseine Aufgabe. Man mag sich wohl überlegen, wie der künftige Auftragder Volkskunde hier überhaupt lauten müßte. Es geht um eine Samm-lungs- und Forschungsstelle für die Volkskunde des Saarlandes selbst,die nicht nur die historische, sondern auch die gegenwärtige Volkskulturdieses wichtigen Grenzlandes erheben müßte. Einer neuzeitlichen Arbei-tervolkskunde könnte hier besonderes Augenmerk zugewendet werden.Es geht aber vielleicht auch um eine Stelle des weiteren Ausgriffes nachdem Westen. Nach dem ersten Weltkrieg hat es an der UniversitätFrankfurt ein Institut der Elsaß- Lothringer im Reich gegeben. Heute istnirgends mehr eine verwandte Forschungsstelle tätig. Der Auftrag dervolkskundlichen Betreuung von Elsaß und Lothringen bleibt jedoch be-stehen. Das müßte doch besonders in Saarbrücken gesehen werden. woman beispielsweise das Wirken der Geschwister Louis und AngelikaPinck nicht als ein allmählich in Vergessenheit versinkendes Zwischen-spiel ansehen kann.

6) Vgl. Karl Lohmeyer. Die Sagen der Saar von ihren Quellenbis zur Mündung. Saarbrücken 1952. Der ungewöhnlich reiche Anmer-kungsteil dieses Werkes gestaltet es geradezu zu einem Handbuch dersaarländischen Volks- und Heimatkunde.

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