läßt das eigentliche Gesicht dieser betriebsamen Stadt kaum erkennen.Alte museale Festpunkte Nürnbergs sind erhalten, bzw. stilgetreu wiedererrichtet worden: Die denkmalmäßig ausgestattete Kaiserburg mit ihrerKapelle), das Wohnhaus Albrecht Dürers, und die wichtigsten Kirchen.Das gewaltige Germanische Nationalmuseum ist erst zum Teil wieder-erstanden 15). Wie es sich heute präsentiert, entspricht es seinem Namennoch weniger als früher.„ Germanisch“ muß man im Sinn der Romanti-ker verstehen, nämlich als bedeutsame Erweiterung von deutsch". Aufdem deutsch- mittelalterlichen, dem„ altdeutschen" Sektor, liegt jedenfallsdas Hauptgewicht, und innerhalb dieses Bereiches ist die Geltung desFrankenlandes und der Stadt Nürnberg selbst nicht zu verkennen. DasGermanische Nationalmuseum ist in vieler Hinsicht doch auch das histo-rische Stadtmuseum von Nürnberg, und alle anderen Bestände erscheinendementsprechend etwas akzessorisch beigefügt. Die Gegenwart hat damanchen Zug des„ Nationalmuseums" stärker unterstrichen. Die Aus-stellung des Paramentenschatzes der St. Marien- Kirche in Danzig be-deutet einen derartigen Ausgriff. Der jüngst erworbene EchternacherKodex, der in einer sehr teuren Aufstellung gezeigt wird, steht den Kern-beständen des Hauses noch etwas näher. Aber die Danziger Ausstellungweist zu der Heimat- Ausstellung hinüber, die in Lichtbildern und Schrift-und Sachzeugnissen die Bedeutung des deutschen Ostens zu erweisenversucht. Eine eigene Ausstellung galt 1955 der„ Kunst und Kultur inBöhmen, Mähren und Schlesien“ 16).
An dieser Unterstreichung des gesamtdeutschen Zuges des Museumshat die Volkskundliche Abteilung wesentlichen Anteil. Erich Meyer-Heisig hat die bedeutenden Bestände wieder in die beiden traditionellenHauptteile gegliedert, in die Stuben- und Hauseinrichtungen und in dieSammlung der Trachten. Während die Stuben- und Möbelsammlung. dieMeyer- Heisig durch sein Bauernstubenbuch neu erschlossen hat 17). imwesentlichen noch den Charakter der schon von Otto Lauffer geformtenRaumgliederung trägt, mit den seitlich aufgeschnittenen Stuben, an deneninan außen vorbeigeht, ist die Trachtensammlung 18) in einer modernenHalle in weiträumigen Vitrinen untergebracht. locker beigegebene Volks-kunstbestände begleiten die landschaftlich angeordneten Trachten-figuren. Die Halle ist durch eine Stockteilung geschickt ausgenutzt, aufdem Dach der Trachtenvitrinen geht man wie auf einem Schiffsdeck vonder Maskenwand den Kranz der Einzelvitrinen aus, die Volkskunst-gegenstände in verschiedenen Stoff- und Motivgruppen angeordnet dar-
14) Erich Bachmann, Kaiserburg Nürnberg. Amtlicher Führer.München 1953.
15) Wegweiser durch das Germanische Nationalmuseum in Nürn-berg. 1956/57.
16) Kunst und Kultur in Böhmen, Mähren und Schlesien. Ausstellungim Germanischen National- Museum zu Nürnberg vom 22. Mai bis Sep-tember 1955. Nürnberg 1955.
17) Erich Meyer- Heisig, Die deutsche Bauernstube. Art undEntwicklung der Stube im deutschen Bauernhaus nebst einem Anhangmit Beispielen heutiger Stubengestaltungen. Nürnberg 1952.
18) Den alten Bestand vgl. bei Rudolf Helm, Deutsche Volkstrach-ten aus der Sammlung des Germanischen Museums in Nürnberg. Mün-
chen 1952.
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