Jahrgang 
60 (1957) / N.S. 11
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steinige Feldwege erreichen kann. Genau wie bei der berühmtenAbtei von Saccargia handelt es sich auch hier um ein einstigesKloster, in dessen zerfallenen Gebäuden sich eine bäuerlicheFamilie eingenistet hat. Die hl. Giusta, die in Sardinien viel ver-ehrt wird, hat in diesem Falle ausgesprochen wallfahrtsbildendgewirkt. Die Kapelle ist der am besten erhaltene Teil der ver-fallenden Anlage; sie stellt einen einschiffigen gewölbten Raumvon mäßiger Höhe dar. Die Wände zu beiden Seiten des Presby-teriums sind dicht behangen mit wächsernen und hölzernen Opfer-gaben. Die Wachsbilder stellen folgende Objekte dar: Mensch-liche Köpfe bis zur natürlichen Größe, darunter ein alter ausdickem braunen Wachs und ein gemalter Gesichtsteil( Abb. 19 a),beide handgeformt, daneben Arme, Beine, Brüste und einzelneFinger( Abb. 19 b), auf denen öfters Krankheiten und Wundenmit roter Farbe aufgemaltwaren. Auch hier überwiegen die zahl-reichen Brüste, einfache und dopellte, die übrigen Opfergaben.Auch ein großer, handgeformter Bauch mit einer Schnittwundeist vorhanden. Zu den wächsernen Opfern gesellen sich hölzerneArme und Beine, mit und ohne Kennzeichen von Verletzungenund Krankheiten und zwei hölzerne Frauenbrüste, eine davonmit eingebohrten und rot gemalten Wunden( Abb. 8, Fig. 1). Dasweiß und rot bemalte Stück ist besonders groß und zeigt in derNähe der Brustwarze sieben tiefe rotumrandete Löcher( Durch-messer 12, Höhe 6 cm). Ich bemerkte auch einen hölzernenDaumen, welcher ebenfalls durch sechs eitrige Wundmale beson-ders gekennzeichnet und einen fast lebensgroßen hölzernen Fuß,der mit über hundert roten Flecken bemalt war, womit ebenfallsdie Krankheit dargestellt werden soll. Auch silberne Opfer fehltennicht, jedoch beschränkten sie sich auf die serienmäßig her-gestellten Herzen, Arme, Beine und Köpfe. Besonders angefertigtschien mir lediglich ein Unterleib mit Beinansatz, der nach untenzu durch eine eingeritzte Girlande verziert erschien. GemalteVotivtafeln fehlten fast völlig, nur zwei durchschnittliche Exem-plare aus dem späten 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundertwaren vorhanden.

Zu dem etwas erhöhten Presbyterium führen von links undrechts zwei Stiegen hinauf. Dazwischen befindet sich ein Gitter,hinter welchem eine kleine eiserne Pforte von ca. 1 Meter Höheund 80 cm Breite sichtbar wird, welche in einen kleinen aus-gemauerten Hohlraum führt, der unter dem Presbyterium liegtund ebenfalls etwa 1 m hoch, 1 m tief und 80 cm breit gewesensein mag. Darin wird der natürliche Erdboden sichtbar. Leiderwar weit und breit niemand zu sehen, der mir die erwünschte

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