Literatur der Volkskunde
Leopold Schmidt, Masken in Mitteleuropa. Volkskundliche Bei-träge zur europäischen Maskenforschung; in: Sonderschriften der Ver-eins für Volkskunde in Wien, Bd. 1, hsg. von Leopold Schmidt, Wien1955. 253 Seiten und 53 Abb. auf XXVII Tafeln.
Die Masken nehmen unter den älteren und neueren Themen derVolkskunde eine Schlüsselstellung ein. Die künstlerische Gestaltung derMasken wie der glaubensmäßige und psychologische Hintergrund derMaskierung, das Spielelement der Maskereien, die Theatermaske undder standesmäßig oder lokal gebundene Maskenbrauch müssen gleicher-maßen auf den Träger bezogen werden.
Darum ist es wichtig, daß der vorliegende Maskenband, dem einzweiter folgen soll, nicht in erster Linie absolutistische Theorien, son-dern gegenständliche Belege sowie historische und gegenwärtige Zeug-nisse zur Maskenfunktion darbietet.
Die zusammenfassende Klammer zu den von verschiedenen lokalenund methodischen Standpunkten aus geschriebenen Beiträgen von sechsAutoren bildet der einleitende historische Überblick Die öster-reichische Maskenforschung 1930-1955" von Leo-pold Schmidt. Die Maskensammlungsgeschichte steht in notwendi-ger Verbindung mit der Entwicklung der Maskentheorien. Von ArthurHaberlandt, der sich wie sein Vater als Sammler und Forscher um dasMaskenwesen verdient gemacht hat, wird schon 1926 neben andernErklärungsprinzipien( Totemismus, Hirtentum) auf die Zusammenhängemit Altersklassen und Männerbünden hingewiesen. Die„ Wiener Män-nerbundschule" Rudolf Muchs hat das Hauptverdienst um die Aus-bildung der bis heute vorherrschenden totenkultischen Maskentheorie,zu der außerhalb Österreichs Karl Meuli die wichtigsten Argumentegeliefert hat. Demgegenüber wurde die vegetationskultische TheorieMannhardts verhältnismäßig wenig auf die Masken angewendet, wieüberhaupt die monistischen Theorien in der neueren Forschung zurück-treten. Dazu hat nicht nur die funktionalistische Betrachtungsweisebeigetragen, sondern gerade auch die Erschließung neuer historischerand musealer Quellen. Leopold Schmidt selber gibt durch seine Hin-weise auf Maskensammlungen, auf Maskenschnitzer und auf Masken-brauch in und um Österreich einen gewichtigen Beitrag, welcher diewachsende Kritik gegenüber der früher allzu leicht bejahten Konti-nuität verstärkt.
Leopold Kretzenbacher, der von eingehender Lokal-forschung herkommend, Hervorragendes zur Kenntnis des Volksschau-spiels geleistet hat, zeigt am Beispiel von Schlangenteufelund Satan im Paradeisspiel" wie das biblische Vorbild desVerführers ¹) sich in die beiden theatralischen Erscheinungsformen derSchlange und des hörnertragenden Höllenmenschen aufspaltet. DieserVorgang der Maskenbildung ist durch historische Belege wie durch dieSchilderung gegenwärtigen Spielens deutlich gemacht. An solchenmonographischen Behandlungen von bestimmten Maskengestalten zeigtsich, wie wenig allumfassend einseitige Ursprungstheorien der Fülleder Erscheinungen gerecht werden.
1) Satan und Schlange sind zwar auch dort nicht eins; vgl. E. Litt-mann, Morgenländische Glossar ::: zum Glossareintrag Morgenländische Wörter im Deutschen, S. 31 f. und R. Schärf,Die Gestalt des Satans im Alten Testament, Diss, Zürich 1947.
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