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60 (1957) / N.S. 11
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Ausgabe Die Lieder Neidharts"( Altdeutsche Textbibliothek Nr. 44)vorlegen, die handlicher als die große kritische Ausgabe ist. Der Neid-hart- Kommentar ist von der Volkskunde kaum schon beachtet worden.Dagegen hat man das größere und vielleicht auch stofflich ergiebigereGegenstück schon oft heranziehen müssen: 1931 gab Wießner nämlichdie bedeutendste neidhartische Dichtung, den Ring" Heinrich Witten-wilers heraus(- Deutsche Literatur in Entwicklungsreihen. ReiheRealistik des Spätmittelalters. Bd. 3), und 1936 ließ er( in der gleichenReihe, als Ergänzungsband) den Kommentar dazu folgen. Das Gesamt-werk stellt eine der Grundlagen unserer Kenntnis der literarischenBehandlung des spätmittelalterlichen Bauernlebens dar. Ein letztesGegenstück zu den Arbeiten an Neidhart und Wittenwiler ist erst vorganz kurzer Zeit erschienen, nämlich die Textausgabe Der Bauern-hochzeitsschwank"( Meier Betz und Metzen hochzit)(= AltdeutscheTextbibliothek, Nr. 48), Tübingen 1956. Es ist hocherfreulich, daßWießner gerade noch die Fertigstellung aller dieser seiner auch für dieVolkskunde des Spätmittelalters so bedeutenden Arbeiten erlebenkonnte. Der große Forscher und geduldige Lehrer wird auch in unsererdankbaren Erinnerung dauernd fortleben.

Walter Hensel f

Leopold Schmidt.

Einer der Großen der deutschen Jugendbewegung. die das innereLeben des deutschen Volkes in der ersten Hälfte dieses Jahrhundertsstärker geformt haben als manche stärker im Vordergrund stehendePersönlichkeit, ist nicht mehr. Dr. Walter Hensel, der als Julius Janiczekam 9. September 1887 in Mährisch- Trübau zur Welt gekommen war, istam 5. September 1956 in seiner Flüchtlingsheimat gestorben und amMünchner Waldfriedhof begraben worden. Mit ihm, einem der Gründerdes sudetendeutschen Wandervogels im Jahre 1911, geht eine Epochezu Ende, ein Zeitalter der schöpferischen Verwendung des Volksliedes,wie es in der Periode nach dem ersten Weltkrieg die Epoche dervereinsmäßigen Liedpflege abgelöst hatte. Hensels Hand hat Tagungenund Singwochen, Chorliederbücher und Liederblätter zu jener gemein-schaftsbildenden Macht werden lassen, als die wir sie gut dreißigJahre lang kennengelernt haben. Was er dabei dauernd an künstleri-scher Leistung bot, stand auf der festen Basis der österreichischen Volks-liedforschung, der er so manchen Beitrag geschenkt hat. Wir möchtenhier besonders an seine Aufzeichnungen der Singweisen zum SörgerChristi- Leidenspiel denken. Von seinen zahlreichen Liederbüchern seinur das letzte genannt: Unser Land im Lied, München 1951, ein Melo-dienbuch für die deutschen Heimatvertriebenen. Hensels Bestrebungensind zeit seines Lebens stets anerkannt worden. Die letzte seiner zahl-reichen Ehrungen war die Verleihung des Sudetendeutschen Kultur-preises in Nürnberg 1956. Wenn man einmal die Geistesgeschichteunserer Zeit schreiben wird, mit aller berechtigter Beachtung des eigent-lichen geistig- seelischen Lebens des Volkes in allen seinen Schichten,dann wird man die Bedeutung Hensels erst erkennen können, als einesMannes, der für die Volksliedbewegung geradezu zum Symbol gewor-den war.

Von den Nachrufen und Würdigungen seien besonders die Artikelvon Rudolf Pechhold in der Schönhengster Heimat, Nr. 55/56 undNr. 58. Oktober 1956, erwähnt.

Leopold Schmidt.

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