Jahrgang 
59 (1956) / N.S. 10
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gebildet wurden. Der oben genannte Schrank aus Suderode von 1781stellt eine derartige Weiterbildung dar, eine ganz prächtige Leistung

seiner Art.

Besonders bemerkenswert ist jedoch, wie Sieber zu erweisen ver-steht, daß es sich hier eigentlich um das Erbe mährischer Tischler han-delt, die wegen ihres Festhaltens am Bekenntnis der BöhmischenBrüder nach Herrnhut auswanderten und dort in der Lausitz eineNach- und Neublüte ihrer altertümlichen, einfachen Möbel hervorriefen.Es ist also auch eine Sache der österreichischen Forschung, die sich nunmit der Herkunft dieser Adam, Andreas, Johann und Wenzel Böhneraus Grünberg, der Nitschmann und Welzel aus Schildberg, alles inNordmähren, wird beschäftigen müssen. Diese ein- und zweitürigenStollenschränke erinnern so sehr an die frühen Alpbacher Formen, daßman die Zusammenhänge innerhalb des alten Österreich, vor allemdie Frage der Auswanderung von Wiedertäufern nach Mähren, dabeiwird besonders ins Auge fassen müssen. Was an den alpenländischenMöbelbeständen nicht zu finden ist, das ist nur die Bemalung mitlangen Bibelsprüchen, die bei diesen Herrnhuter Möbeln völlig denfiguralen Schmuck ersetzen.

Sieber hat in seiner wertvollen Arbeit alle wesentlichen Zügedieser Möbelgruppe herauszuheben verstanden. Das nunmehr heran-zuziehende österreichische Material war ihm nicht geläufig, er bliebbei den böhmisch- mährischen Beziehungen stehen, obgleich ihm hiervon der tschechischen Forschung nicht viel geboten werden konnte, wieder Hinweis S. 40 zeigt. Es wird da wohl gar zu ängstlich mit demBegriff von, nördlichen Gebirgslandschaften der CSR umgegangen.Sieber weiß zweifellos genau so wie seine Gewährsmänner Kranacikund Scheybal, daß es sich in Nordböhmen und Nordmähren um deutscheVolkskunst gehandelt hat. Damit erledigt sich auch der Hinweis S. 44,, Auch die Farbenfreude mag bei den Mähren im Erbe ihrer östlichergelegenen Heimat wurzeln". Die von Sieber gezeigten Lausitzer Möbelhaben gar nichts Östliches" an sich. Ihre Farbigkeit stimmt mit demallgemeinen Farbigwerden des süddeutschen Bauernmöbels nach 1700überein, das ein Problem für sich darstellt. Der Gegensatz zwischen deraltertümlichen Konstruktion der Stollenmöbel und ebendicser farbigenDekoration kommt bei den Herrnhuter Möbeln besonders deutlich zurGeltung, Siebers Material ist da von schöner Anschaulichkeit. Die guteBebilderung der Arbeit macht sie auch für Vergleichszwecke brauchbar;nur die Wiederholungen der Abbildungen aus dem Buche Schröderssind unschärfer als die Originale.Leopold Schmidt.

Leopold Schmidt, Das deutsche Volksschauspiel in zeitgenössischen Zeugnissen vom Humanismus bis zur Gegenwart( DeutscheAkademie der Wissenschaften zul Berlin, Veröffentlichungen desInstitutes für Deutsche Volkskunde, Band 7). Berlin 1954, 104 Seiten.

Das vorliegende Buch war 1942 verlagsreif fertiggeschrieben, war1945 gesetzt und korrigiert und im Trubel des deutschen Zusammen-bruches verschollen, war 1949 neuerdings zum Druck vorbereitet undmit den Anmerkungen bis dorthin wissenschaftlich erläutert underschien im Sommer 1955 mit Verlagsjahr 1954. Das ist für die wissen-schaftsgeschichtliche Stellung des Buches, das sich gerade der seit 1946reichen, durch die Wiener Volksschauspielausstellung zur Hundertjahr-feier für Karl Weinhold( vgl. den Katalog ,, Volksschauspiel in ÖsterreichWien, Museum für Volkskunde, 1946, zusammengestellt von L. Schmidt)

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