Aber bei allen derartigen Erwägungen soll nun doch gesagt, deut-lich gesagt sein, daß ein derartiger Versuch schon lange Zeit fällig war,und daß er fürs erste auch sehr ertragreich ausgefallen ist. Die Auf-nahme zahlreicher unveröffentlichter Varianten hat das Buch, das jasonst fast nur aus anderen Sammlungen bekannte Lieder bringt, auchzu einem Quellenwerk werden lassen. Die liedgeschichtliche Behand-lung der einzelnen Stücke zeugt von großer Umsicht, aus den reich mitQuellenhinweisen und Anmerkungen gearbeiteten Kommentaren kannman auch volksgeschichtlich viel lernen. Man wird also den angekündig-ten zweiten Band mit reger Anteilnahme erwarten.
Leopold Schmidt.
Friedrich Sieber, Bunte Möbel der Oberlausitz(= DeutscheAkademie der Wissenschaften zu Berlin. Veröffentlichungen desInstituts für Deutsche Volkskunde, Bd. 6). 60 Seiten und 20 Abb.Berlin 1955, Akademie- Verlag.
Es hat einige Zeit gebraucht, bis die Volkskunde in Berlin nachdem Krieg wieder organisiert werden konnte. An der Deutschen Aka-demie wurde noch von Adolf Spamer eine Kommission für Volkskundegebildet, die nach seinem Tode in ein Institut umgewandelt wurde, dasunter der Leitung von Wolfgang Steinitz nun sehr aktiv geworden ist.Den publizistischen Angelpunkt bildete die Reihe der„ Veröffentlichun-gen", die noch von der Kommission mit dem letzten Werk John MeiersAhnengrab und Rechtsstein“ eröffnet wurde. Dann folgten die„ Bei-träge zur sprachlichen Volksüberlieferung", eine Spamer- Festschrift,die leider erst nach seinem Tod erscheinen konnte, als Band 2. Dannlegte Steinitz seine Neuausgabe der„ Sorbischen Volkslieder" vonHaupt und Schmaler vor, eigentlich einen Neudruck, bei dem nur dieWidmung an Wilhelm I. fehlt, die der Originalausgabe vorangestelltist. Das Werk erschien in dem großen Format, das nun schon fürmehrere Bände gewählt wird, und der Veröffentlichungsreihe ein etwaszwiespältiges Gesicht gibt. Im gleichen Großformat brachte Steinitz1954 den I. Band seiner Deutschen Volkslieder demokratischen Charak.ters aus sechs Jahrhunderten“ heraus, über das schon oben mehr zusagen war. Der Sammelband ,, Völkerforschung" erschien dann wiederim kleinen Format, ebenso mein Volksschauspiel- Bändchen, das imAnschluß besprochen wird.
vor
Diese letzten drei Bände sind ganz knapp nacheinander erschienen,der 6. nun wieder im Großformat, nicht wegen des Umfangs, sondernwegen der Bildtafeln. Sieber legt hier einen wichtigen Beitrag zurVolksmöbelforschung vor. Die ostdeutsche Möbelmålerei warkurzer Zeit noch recht unbekannt. Erst das schon im Krieg erschieneneBuch von Albert Schröder, Bemalter Hausrat in Nieder- und Ost-deutschland( Leipzig 1939, Schwarzhäupter- Verlag) hatte einen etwasumfangreicheren Einblick geboten. Dort wurde auch ein Schrank ausSuderode am Harz, datiert 1781, abgebildet, der auffallen mußte. Ver-wandte Stücke finden sich dann einigemal in der Volkskunstliteratur,besonders in Adolf Spamers schönem Sachsen- Werk, und einer derhierhergehörigen Schränke ist dort auch schon auf Herrnhut festgelegt.Die durch diese Schränke bezeichnete Möbelgruppe und ihre Herkunftaus Herrnhut greift nun Sieber heraus und stellt an die neunzig StückMöbel zusammen, die sich vor allem in musealem Besitz erhalten haben,und die durchwegs in der Zeit von etwa 1730 bis 1780 entweder inHerrnhut selbst entstanden sind, oder nach Herrnhuter Möbeln weiter-
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